{"id":10103,"date":"2017-04-13T06:00:00","date_gmt":"2017-04-13T04:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www2.etl.de\/aktuelles\/aus-schaden-wird-man-klug-zum-urteil-des-olg-duesseldorf-vom-07032017-az-i-1-u-3116\/"},"modified":"2025-02-10T13:35:17","modified_gmt":"2025-02-10T12:35:17","slug":"aus-schaden-wird-man-klug-zum-urteil-des-olg-duesseldorf-vom-07032017-az-i-1-u-3116","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/?p=10103","title":{"rendered":"Aus Schaden wird man klug\u0085"},"content":{"rendered":"\n<p>Ein Unfallschaden kann teuer werden. Indes kam ein Vorschaden einen Fahrzeughalter teuer zu stehen. In seinem Urteil vom 07.03.2017 (<a href=\"https:\/\/www.justiz.nrw.de\/nrwe\/olgs\/duesseldorf\/j2017\/I_1_U_31_16_Urteil_20170307.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Az. I-1 U 31\/16<\/a>) lie\u00df das Oberlandesgericht (OLG) D\u00fcsseldorf letzten Endes dahinstehen, ob eine Unfallmanipulation vorlag. Vielmehr stolperte der klagende Halter an der Frage, ob \u00fcberhaupt ein Fahrzeugschaden entstand.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was war passiert?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Ende September 2013 fuhr kurz vor Mitternacht ein VW Golf auf einen Mercedes CLK 320 auf. Der Halter des Mercedes holte ein Sachverst\u00e4ndigengutachten ein, meldete den Vorfall dem Versicherer des Golf und forderte von dem Versicherer Reparaturkosten von fast 6.000,00 Euro. Als der Versicherer die Zahlung verweigerte, zog der Fahrzeughalter vor Gericht. Das Landgericht Kleve wies seine Klage ab und so ging er vor das OLG D\u00fcsseldorf in Berufung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Entscheidung des Gerichts<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Vor dem OLG bem\u00fchte sich der Kl\u00e4ger alle einzelnen Verdachtsmomente, die das Landgericht zu der Erw\u00e4gung einer Unfallmanipulation bewegt hatten zu zerpfl\u00fccken, indem er jedes f\u00fcr sich genommen harmlos erscheinen lie\u00df: die Besch\u00e4digung eines hochwertigeren Fahrzeuges durch ein weniger wertiges, das sofortige Schuldeingest\u00e4ndnis, die Abwesenheit von Zeugen, die fiktive Abrechnung nach Gutachten und die g\u00fcnstige Instandsetzungsm\u00f6glichkeit bei einem Bekannten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gericht konnte er damit nicht beeindrucken. Viel interessanter war doch die Tatsache &#8211; die der Fahrzeughalter dem von ihm beauftragen Sachverst\u00e4ndigen so vorenthalten hatte &#8211; dass das Fahrzeug bereits im Mai 2005 einen Schaden von fast 10.000,00 Euro und im Juni 2012 einen Heckschaden mit Reparaturkosten von ca. 1.600,00 Euro erlitten hatte. F\u00fcr beide Sch\u00e4den konnte der klagende Fahrzeughalter keinen Reparaturnachweis erbringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Stattdessen konnte der beklagte Versicherer nachweisen, dass das Fahrzeug rundherum eine fast f\u00fcnffache Lackschichtst\u00e4rke aufwies als vom Hersteller maximal empfohlen. Dies sprach eindeutig f\u00fcr eine nicht fachm\u00e4nnische Nachlackierung. Es konnte nicht abschlie\u00dfend gekl\u00e4rt werden, ob nicht noch weitere Vorsch\u00e4den bestanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Grunds\u00e4tzlich besteht der Anspruch des Gesch\u00e4digten darauf, dass der Zustand wiederhergestellt wird, der vor dem Schadensereignis bestand. Weil der Vorfall aus September 2013 eine Schadens\u00fcberlagerung mit dem Heckschaden aus Juni 2012 darstellt, musste sich das Gericht mit der Frage des Schadensh\u00f6he auseinandersetzen. Es konnte nicht gem\u00e4\u00df <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/zpo\/__287.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00a7 287 ZPO<\/a> mit \u00fcberwiegender Wahrscheinlichkeit ausschlie\u00dfen, dass die geltend gemachten Sch\u00e4den bereits im Rahmen eines Vorschadens entstanden sind. Zudem konnte eine etwaige sach- und fachgerechte Reparatur nicht belegt werden. Es war nicht m\u00f6glich auch nur einen Teilschaden zuverl\u00e4ssig zu ermitteln.<\/p>\n\n\n\n<p>Der klagende Fahrzeughalter scheiterte auch vor dem OLG auf ganzer Linie. Nicht einmal die Gutachterkosten von ca. 900,00 Euro wurden ihm zugesprochen: Durch die fehlende Angabe von Vorsch\u00e4den konnten keine zuverl\u00e4ssigen Werte ermittelt werden &#8211; das Gutachten war schlichtweg unbrauchbar und damit nicht erstattungsf\u00e4hig.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Praxistipp<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Insbesondere die die <a href=\"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/stichworte\/unfallschadenregulierung\/fiktive-abrechnung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">fiktive Abrechnung<\/a>&nbsp;bei einem hohen Fahrzeugschaden f\u00fchrt h\u00e4ufig zu einer Meldung an das Hinweis- und Informationssystem (<a href=\"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/stichworte\/versicherungsrecht\/his-datei\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">HIS-Datei<\/a>). Damit die Schadensregulierung f\u00fcr k\u00fcnftige Sch\u00e4den an dem Fahrzeug nicht gef\u00e4hrdet ist, empfiehlt sich ein Reparaturnachweis. Kann dieser bei einem sp\u00e4teren Schadensfall nicht gef\u00fchrt werden, kann der Versicherer die Leistung unter Umst\u00e4nden vollst\u00e4ndig verweigern. Der Gesch\u00e4digte bleibt dann auf seinem Schaden sitzen.<\/p>\n\n\n\n<p><small class=\"small\">Bildnachweis: Pixabay\/Pixel-mixer<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Unfallschaden kann teuer werden. Indes kam ein Vorschaden einen Fahrzeughalter teuer zu stehen. In seinem Urteil vom 07.03.2017 (Az. I-1 U 31\/16) lie\u00df das Oberlandesgericht (OLG) D\u00fcsseldorf letzten Endes dahinstehen, ob eine Unfallmanipulation vorlag. Vielmehr stolperte der klagende Halter an der Frage, ob \u00fcberhaupt ein Fahrzeugschaden entstand. Was war passiert? 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