{"id":10197,"date":"2022-08-10T01:00:00","date_gmt":"2022-08-10T01:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www2.etl.de\/aktuelles\/muss-ein-geschaedigter-das-restwertangebot-der-versicherung-abwarten-anmerkung-zum-urteil-des-landgerichts-bonn-vom-10012017-az-8-s-16416\/"},"modified":"2026-04-28T13:04:04","modified_gmt":"2026-04-28T11:04:04","slug":"muss-ein-geschaedigter-das-restwertangebot-der-versicherung-abwarten-anmerkung-zum-urteil-des-landgerichts-bonn-vom-10012017-az-8-s-16416","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/?p=10197","title":{"rendered":"M\u00fcssen Gesch\u00e4digte das Restwertangebot des Versicherers abwarten?"},"content":{"rendered":"\n<p>Angesichts der gefestigten und eindeutigen Rechtsprechung zum Thema <a href=\"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/stichworte\/unfallschadenregulierung\/restwertboerse\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><q>Restwertb\u00f6rse<\/q><\/a>, die nicht zuletzt und wiederholt durch das Urteil des BGH vom 27.09.2016 (<a href=\"http:\/\/juris.bundesgerichtshof.de\/cgi-bin\/rechtsprechung\/document.py?Gericht=bgh&amp;Art=en&amp;nr=76635&amp;pos=0&amp;anz=1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Az. VI ZR 673\/15<\/a>) best\u00e4tigt wurde, sollte eigentlich alles klar sein. Hinzu kommt, dass der Gesetzgeber dem Gesch\u00e4digten in&nbsp;\u00a7&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bgb\/__249.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00a7 249 Abs. 2 S. 1 BGB<\/a>&nbsp;ausdr\u00fccklich die M\u00f6glichkeit einger\u00e4umt hat, die Behebung des Schadens gerade unabh\u00e4ngig vom Sch\u00e4diger in die eigenen H\u00e4nde zu nehmen und in eigener Regie durchzuf\u00fchren (BGH,&nbsp;Urt. v. 25.06.2019, <a href=\"https:\/\/www.bundesgerichtshof.de\/SharedDocs\/Entscheidungen\/DE\/Zivilsenate\/VI_ZS\/2018\/VI_ZR_358-18.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Az.&nbsp;VI ZR 358\/18<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch bem\u00fchen die Versicherungen immer wieder Restwertangebote des Sondermarktes, um dem Gesch\u00e4digten den ihm zustehenden Schadenersatz zu k\u00fcrzen. So verhielt es sich auch in dem Sachverhalt, den das Landgericht Bonn im Januar 2017 zu Gunsten des Gesch\u00e4digten entschied.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was war passiert?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Das Fahrzeug des Gesch\u00e4digten wurde bei einem <a href=\"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/stichworte\/unfallschadenregulierung\/unfall-unfallschaden\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Unfall<\/a> total besch\u00e4digt. Der Gesch\u00e4digte beauftragte einen Sachverst\u00e4ndigen mit der Erstellung des Gutachtens zur Schadenfeststellung. Der Sachverst\u00e4ndige erledigte den Auftrag und holte Restwertangebote auf dem relevanten regionalen Markt ein. Auf dieser Grundlage verkaufte der Gesch\u00e4digte das Fahrzeug, ohne dass dies mit weiteren Anstrengungen verbunden war, an einen im Gutachten genannten Aufk\u00e4ufer. Das Gutachten wurde an die Versicherung des Sch\u00e4digers weitergeleitet, die ihrerseits Angebote &#8211; auf dem nicht allgemein zug\u00e4nglichen <a href=\"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/stichworte\/unfallschadenregulierung\/sondermarkt\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sondermarkt<\/a> &#8211; einholte.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei erhielt sie ein Gebot eines spezialisierten Restwertaufk\u00e4ufers, das oberhalb des vom Sachverst\u00e4ndigen ermittelten Wertes lag. Zu diesem Gebot rechnete sie ab und verweigerte dem Gesch\u00e4digten, der sein Fahrzeug inzwischen verkauft hatte, den Schadenersatz in H\u00f6he der Differenz. Ihrer Ansicht nach h\u00e4tte der Gesch\u00e4digte das Gutachten vorlegen und mit dem Verkauf des besch\u00e4digten Autos warten m\u00fcssen, bis sie &#8211; <em>m\u00f6glicherweise<\/em> &#8211; ihrerseits ein verbessertes Restwertangebot erzielt h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur K\u00fcrzung sei sie berechtigt, weil sie den Gesch\u00e4digten im Unfallfragebogen angewiesen h\u00e4tte zu warten. Da der Gesch\u00e4digte das Fahrzeug dennoch verkaufte, habe er gegen seine Schadenminderungspflicht versto\u00dfen. Der Gesch\u00e4digte sah das anders. Schlie\u00dflich hatte der Sachverst\u00e4ndige die Grunds\u00e4tze der h\u00f6chstrichterlichen Rechtsprechung beachtet. Am Ende entschied das Gericht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was sagen die Gerichte?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Das Landgericht Bonn h\u00e4tte sich zur\u00fccklehnen und sich auf die gefestigte, obergerichtliche Rechtsprechung berufen k\u00f6nnen. Das tat es aber nicht. Vielmehr setzte es sich mit der Rechtsprechung und dem Meinungsstand zum Thema Restwertb\u00f6rse auseinander, bevor es sich der herrschenden Meinung und der BGH-Rechtsprechung anschloss und dem Ansinnen des Sch\u00e4digers und seiner Versicherung eine Absage erteilte.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Ansicht der Mindermeinung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Eine Mindermeinung (z.B. OLG K\u00f6ln, Beschluss vom 16.07.2012, <a href=\"http:\/\/www.justiz.nrw.de\/nrwe\/olgs\/koeln\/j2012\/13_U_80_12_Beschluss_20120716.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Az. I-13 U 80\/12<\/a>) will den Gesch\u00e4digten bei Vorliegen besonderer Umst\u00e4nde dazu gehalten sehen, g\u00fcnstigere Verwertungsm\u00f6glichkeiten wahrzunehmen. Diese besonderen Umst\u00e4nde sollen vorliegen, wenn die von der Versicherung nachgewiesene Verwertungsm\u00f6glichkeit dem <q><em>Gesch\u00e4digten ohne weiteres zug\u00e4nglich ist und ein einschr\u00e4nkungslos annahmef\u00e4higes Angebot darstellt.<\/em><\/q> In der Begr\u00fcndung hei\u00dft es dazu, dass dem Gesch\u00e4digten die Annahme <q><em>ohne \u00fcberobligatorische Anstrengung<\/em><\/q> m\u00f6glich sein muss. Was dies im Einzelfall bedeutet, bleibt allerdings offen. Stattdessen wird ausgef\u00fchrt, dass es aus Sicht des Gesch\u00e4digten keinen Unterschied machen k\u00f6nne, woher das Angebot stamme. Es m\u00fcsse sich nur um ein <q><em>einschr\u00e4nkungslos annahmef\u00e4higes Angebot<\/em><\/q> handeln. Was das Gericht unter <q><em>einschr\u00e4nkungslos<\/em><\/q> versteht, wird leider nicht pr\u00e4zisiert.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Dispositionsbefugnis darf nicht unterlaufen werden<\/strong>!<\/h2>\n\n\n\n<p>Aber auch das OLG K\u00f6ln (siehe oben) betont, die Ersetzungsbefugnis gem\u00e4\u00df <a href=\"http:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bgb\/__249.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00a7 249 BGB<\/a> stehe dem Gesch\u00e4digten zu und d\u00fcrfe nicht unterlaufen werden (vgl. u.a. OLG N\u00fcrnberg, Urteil vom 25.06.1992, Az. 2 U 766\/92). W\u00f6rtlich hei\u00dft es in dem Urteil: <q><em>Insbesondere d\u00fcrfen ihm bei der Schadensbehebung die von der Versicherung gew\u00fcnschten Verwertungsmodalit\u00e4ten nicht aufgezwungen werden<\/em><\/q><em>.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das Landgericht Bonn hat das ebenso gesehen und den Gesch\u00e4digten <q><em>nicht f\u00fcr verpflichtet (gehalten,) nach Vorlage des Schadensgutachtens des Sachverst\u00e4ndigen mit der Ver\u00e4u\u00dferung des Unfallfahrzeuges zu warten, bis die Versicherung eventuell ein h\u00f6heres Restwertangebot vorlegt<\/em><\/q><em>.<\/em> Zudem w\u00fcrde man dem Gesch\u00e4digten die Dispositionsbefugnis in weitem Ma\u00dfe entziehen, wenn man ihn dazu verpflichtete, ein von der Versicherung unterbreitetes Ankaufsgebot anzunehmen. Es kann dem Gesch\u00e4digten daher <q><em>nicht versagt werden, das Fahrzeug zu dem vom Gutachter ermittelten-Restwert einem regionalen H\u00e4ndler zu \u00fcberlassen, zu dem er aufgrund vergangener Gesch\u00e4ftsbeziehungen ein besonderes Vertrauensverh\u00e4ltnis unterh\u00e4lt und bei dem er aufgrund positiver Erfahrungen in der Vergangenheit auch die Anschaffung des neuen Fahrzeugs vornehmen m\u00f6chte.<\/em><\/q><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Das LG Bonn war weder das erste noch das letzte Gericht! <\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Das LG Bonn war nicht das erste Gericht, dass die Wartepflicht des Gesch\u00e4digten verneint hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits zuvor hatte etwa das AG Coburg festgestellt, dass der Gesch\u00e4digte im Totalschadensfall weder verpflichtet ist abzuwarten, um dem Sch\u00e4diger oder dessen Haftpflichtversicherung vor der Ver\u00e4u\u00dferung des besch\u00e4digten Fahrzeugs Gelegenheit zu geben, zum eingeholten Gutachten Stellung zu nehmen und h\u00f6here Restwertangebote vorzulegen, noch ihm vor dem Verkauf des Fahrzeugs die M\u00f6glichkeit einr\u00e4umen muss, solche Angebote zu \u00fcbermitteln (AG Coburg, Urt. v. 27.09.2018, Az. 12 C 951\/18).<\/p>\n\n\n\n<p>In der Folgezeit und davor haben z.B. auch das AG Bad Neustadt (Urt. v. 30.05.2023, <a href=\"https:\/\/www.gesetze-bayern.de\/Content\/Document\/Y-300-Z-BECKRS-B-2023-N-35322?hl=true\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Az. 1 V 162\/22<\/a>; das LG M\u00fcnster (Urt. v. 20.12.2022, <a href=\"https:\/\/www.justiz.nrw.de\/nrwe\/lgs\/muenster\/lg_muenster\/j2022\/4_O_5_22_Urteil_20221220.html\">Az. 4 O 5\/22)<\/a> oder das LG Hamburg (Urt. v. 11.01.2017, <a href=\"https:\/\/www.landesrecht-hamburg.de\/bsha\/document\/NJRE001302258\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Az. 302 S 63\/16<\/a>) eine entsprechende Wartezeit verneint, um nur drei Gerichte zu nennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Erg\u00e4nzend sei angemerkt, dass der Gesch\u00e4digte grunds\u00e4tzlich auch nicht zum Verkauf seines Fahrzeugs verpflichtet ist. Er kann das totalgesch\u00e4digte Fahrzeug anderweitig verwerten &#8211; etwa durch Inzahlungnahme bei einem  Neukauf -, es vorl\u00e4ufig behalten oder sp\u00e4ter eine Notreparatur in Betracht ziehen. In diesen F\u00e4llen muss er sich den Restwert anrechnen lassen, wie ihn der Sachverst\u00e4ndige auf dem regionalen Markt ermittelt hat. (BGH, Urt. v. 10.07.2007, <a href=\"https:\/\/juris.bundesgerichtshof.de\/cgi-bin\/bgh_notp\/document.py?Gericht=bgh&amp;Art=en&amp;Datum=2007-7-10&amp;Sort=11&amp;anz=14&amp;pos=9\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Az. VI ZR 217\/06<\/a>; &nbsp;OLG M\u00fcnchen Endurteil v. 09.09.2016, <a href=\"https:\/\/openjur.de\/u\/949475.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Az. 10 U 1073\/16<\/a>; OLG D\u00fcsseldorf, Urt. v. 15.10.2007, <a href=\"https:\/\/www.justiz.nrw.de\/nrwe\/olgs\/duesseldorf\/j2007\/I_1_U_45_07urteil20071015.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Az. 1 U 45\/07<\/a>; OLG Frankfurt, Urt. v. 19.10.2010, <a href=\"https:\/\/www.rv.hessenrecht.hessen.de\/bshe\/document\/LARE190014795\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Az. 22 U 49\/08<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der <q>Unfallfragebogen<\/q> ist f\u00fcr den Restwert irrelevant<\/strong>!<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Hinweis im Unfallfragebogen war f\u00fcr die Restwertvermarktung ohne Bedeutung. Der Hinweis war zwar vorhanden, aber er war weder optisch hervorgehoben noch eindeutig formuliert.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gericht kam daher zu dem Schluss, dass sich aus der Nichtbeachtung kein Versto\u00df gegen die Schadenminderungspflicht konstruieren lasse. Dies gelte auch mit Blick auf das Urteil des OLG K\u00f6ln vom 14.02.2005, <a href=\"http:\/\/www.justiz.nrw.de\/nrwe\/olgs\/koeln\/j2005\/15_U_191_04beschluss20050214.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Az. 15 U 191\/04<\/a>. Einerseits lasse die Formulierung <q><em>informieren Sie uns bitte<\/em><\/q> auf einen unverbindlichen Charakter schlie\u00dfen; andererseits k\u00f6nne der Gesch\u00e4digte der Formulierung <q><em>m\u00f6glicherweise sind wir in der Lage<\/em><\/q> in keiner Weise entnehmen, dass die Versicherung \u00fcberhaupt ein h\u00f6heres Restwertgebot vorlegen k\u00f6nne.<\/p>\n\n\n\n<p>In einer anderen &#8211; einen Brandschaden betreffenden &#8211; Sache hat das OLG Karlsruhe (Urt. v. 18.11.2025, Az.&nbsp;12 U 26\/25) entschieden, dass in der Teilkaskoversicherung nicht zwingend eine Obliegenheitsverletzung vorliegt, wenn der Gesch\u00e4digte das  Fahrzeug ver\u00e4u\u00dfert hat,&nbsp;ohne vor der Verwertung des Fahrzeugs eine Weisung des Versicherers eingeholt zu haben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Anmerkung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Das Urteil ist zu begr\u00fc\u00dfen. Es ist nicht ersichtlich, weshalb eine Versicherung die Dispositionsbefugnis des Gesch\u00e4digten mir einer schwammigen Formulierung unterlaufen k\u00f6nnen soll. W\u00e4re ein Gesch\u00e4digter tats\u00e4chlich verpflichtet mit der Ver\u00e4u\u00dferung des Fahrzeugs so lange zu warten, bis die gegnerische Versicherung sich zum <a rel=\"noopener\" href=\"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/stichworte\/unfallschadenregulierung\/restwert\" target=\"_blank\">Restwert<\/a> ge\u00e4u\u00dfert hat, w\u00fcrde er zu deren Gehilfen degradiert und der Sachverst\u00e4ndige <q>quasi durch die Hintert\u00fcr<\/q> entm\u00fcndigt (s.a. AG Soest, Urt. v. 25.07.2022, <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/files.vogel.de\/infodienste\/smfiledata\/1\/9\/1\/2\/5\/8\/233295.pdf\" target=\"_blank\">Az. 14 C 22\/22<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p>Abgesehen davon, dass die Versicherung einen h\u00f6heren Restwert ohnehin nicht garantieren kann, w\u00fcrde eine Wartepflicht den Gesch\u00e4digten im Extremfall zwingen, sich zus\u00e4tzlich selbst zu sch\u00e4digen. Denn so wenig gesichert ist, dass die Versicherung ein h\u00f6heres Angebot vorlegen kann, so wenig l\u00e4sst sich ausschlie\u00dfen, dass dem Gesch\u00e4digten ein g\u00fcnstiges Angebot entgeht, weil er das Fahrzeug nicht im Rahmen der Ersatzbeschaffung bei einem regionalen, ihm vertrauten H\u00e4ndler in Zahlung geben kann. W\u00fcrde die Versicherung hierf\u00fcr einstehen?<\/p>\n\n\n\n<p>Weitere Fragen stellen sich auch in Hinblick auf die L\u00e4nge der Wartezeit. Wie lange sollte ein Gesch\u00e4digter denn warten? Wer w\u00fcrde die zus\u00e4tzlichen Mietwagenkosten \u00fcbernehmen? W\u00fcrde die Versicherung diese widerspruchlos begleichen? Es kann zumindest nicht ausgeschlossen werden, dass sie sich auf die Verletzung der <a href=\"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/stichworte\/unfallschadenregulierung\/schadenminderungspflicht\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schadenminderungspflicht<\/a> berufen und versuchen w\u00fcrde zu k\u00fcrzen. N\u00e4hme man die Auffassung der Versicherung f\u00fcr bare M\u00fcnze, bef\u00e4nde sich der Gesch\u00e4digte in einem unaufl\u00f6sbaren Widerspruch&#8230; insbesondere wenn die Versicherung kein besseres Angebot findet.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem OLG Frankfurt zufolge (Urt. v. 19.01.2010, <a href=\"https:\/\/www.rv.hessenrecht.hessen.de\/bshe\/document\/LARE190014795\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Az. 22 U 49\/08<\/a>), &nbsp;ist ein Gesch\u00e4digter zur Annahme eines Restwertangebots ohnehin nur verpflichtet,<em> &#8220;wenn auf diesem klar und deutlich die kostenfreie Abholung gegen Barzahlung vermerkt ist und er ohnehin bereit ist, das Fahrzeug sofort zu verkaufen. Ben\u00f6tigt der Gesch\u00e4digte noch Zeit, \u00fcber eine anderweitige Verwertung zu entscheiden, muss er auf ein zeitlich befristetes Angebot nicht eingehen.&#8221;&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Das Sachverst\u00e4ndigengutachten wird entwertet<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Aber auch der <a href=\"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/stichworte\/unfallschadenregulierung\/sachverstaendiger\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sachverst\u00e4ndige<\/a> k\u00e4me nicht ungeschoren davon. Die Wartepflicht w\u00fcrde das Gutachten &#8211; zumindest in punkto Restwert &#8211; zur Makulatur machen. Welchen Wert h\u00e4tte ein Gutachten, wenn der vom Sachverst\u00e4ndigen &#8211; rechtsprechungskonform &#8211; ermittelte Restwert systematisch angezweifelt wird?<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr das OLG K\u00f6ln (Urt. v. 23.08.2018, <a href=\"https:\/\/www.justiz.nrw.de\/nrwe\/olgs\/koeln\/j2018\/15_U_156_17_Urteil_20180823.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Az. 15 U 156\/17<\/a>) stand au\u00dfer Frage, dass einem Gesch\u00e4digten im Rahmen seiner Schadenminderungspflicht&nbsp;nur dann ein Risiko verbleibt, wenn er den Restwert ohne hinreichende Absicherung durch ein eigenes Gutachten realisiert und dieser sich dann im Nachhinein als zu niedrig erweist (vgl.&nbsp;BGH, Urt. v. 13.10.2009, <a href=\"https:\/\/juris.bundesgerichtshof.de\/cgi-bin\/rechtsprechung\/document.py?Gericht=bgh&amp;Art=en&amp;Datum=2009-10-13&amp;client=11&amp;nr=50166&amp;pos=8&amp;anz=14\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Az. VI ZR 318\/08<\/a>;&nbsp;BGH, Urt. v. 12.07.2005, <a href=\"https:\/\/juris.bundesgerichtshof.de\/cgi-bin\/rechtsprechung\/document.py?Gericht=bgh&amp;Art=en&amp;sid=0&amp;Seite=2065&amp;anz=76994&amp;client=12&amp;pos=61974\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Az. VI ZR 132\/04<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p>Zeitlich nachgelagert stellten zun\u00e4chst das LG Traunstein (Urt. v. 23.03.2020, <a href=\"https:\/\/www.gesetze-bayern.de\/Content\/Document\/Y-300-Z-BECKRS-B-2020-N-24213?hl=true\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Az. 6 O 2862\/19<\/a>) und das OLG M\u00fcnchen (Beschl. v. 31.08.2020, <a href=\"https:\/\/www.gesetze-bayern.de\/Content\/Document\/Y-300-Z-BECKRS-B-2020-N-28315?hl=true\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Az. 10 U 2535\/20<\/a> nach eindeutigem Hinweisbeschluss v. <strong>v. <\/strong>24.06.2020 \u2013 10 U 2526\/20) klar, dass ein privat eingeholtes Gutachten eine ausreichende Grundlage f\u00fcr die Ver\u00e4u\u00dferung eines besch\u00e4digten Pkws ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der regionale Handel darf nicht als Notnagel missbraucht werden!<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Sollte dieser Wert also nur als letzte Absicherung der Versicherung f\u00fcr den Fall dienen, dass sich \u00fcber nicht allgemein zug\u00e4ngliche Kan\u00e4le kein h\u00f6heres Gebot erzielen l\u00e4sst? Der n\u00e4chste Schritt w\u00e4re dann vermutlich die industrialisierte, maschinelle Gutachtenerstellung mit standardisierten Pauschalwerten \u2013 \u00e4hnlich wie bei den &#8220;<a href=\"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/stichworte\/unfallschadenregulierung\/pruefbericht\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pr\u00fcfberichten<\/a>&#8221; lie\u00dfe sich zumindest nicht ausschlie\u00dfen, dass diese in erster Linie nach den Vorgaben der Versicherer erstellt w\u00fcrden. Auch die regionalen H\u00e4ndler w\u00fcrden so nur noch als letzter Ausweg missbraucht, und die Chance, dabei selbst einmal an ein attraktives Fahrzeug zu gelangen, w\u00e4re dahin.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn Versicherer dies gerne anders sehen: Die dem in Anspruch genommenen Haftpflichtversicherer zustehende Pr\u00fcffrist dient allein dazu, ihm die M\u00f6glichkeit zu geben, seine Einstandspflicht dem Grunde und der H\u00f6he nach zu pr\u00fcfen, ohne in Verzug zu geraten. Herr des Restitutionsverfahrens ist und bleibt der Gesch\u00e4digte. Dieser wird weder durch eine zu kurz bemessene noch durch eine sonst unwirksame Fristsetzung daran gehindert, unverz\u00fcglich einen Reparaturauftrag zu erteilen oder eine Ersatzbeschaffung vorzunehmen. (OLG M\u00fcnchen, Beschl. v. 31.08.2020, <a href=\"https:\/\/www.gesetze-bayern.de\/Content\/Document\/Y-300-Z-BECKRS-B-2020-N-24214?hl=true\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Az. 10 U 2526<\/a>),<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Sondermarkt bleibt Sondermarkt<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>An den tats\u00e4chlichen Gegebenheiten des Sondermarktes hat sich seit Jahren kaum etwas ge\u00e4ndert. Er ist dem Gesch\u00e4digten nach wie vor nicht ohne erhebliche M\u00fchen und schon gar nicht ohne Weiteres zug\u00e4nglich. Vom Grundsatz her k\u00f6nnen inzwischen zwar auch Privatpersonen Fahrzeuge auf derartigen Plattformen einstellen. Der damit verbundene Aufwand kann einem Gesch\u00e4digten &#8211; im Gegensatz zur unkomplizierten Einschaltung des Sachverst\u00e4ndigen &#8211; allerdings nicht zugemutet werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Fazit und Praxistipp<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Als Gesch\u00e4digter sollte man nicht nachgeben, wenn die Versicherung Leistungen k\u00fcrzen will, weil angeblich ein Versto\u00df gegen die Schadensminderungspflicht vorliege. In einem solchen Fall empfiehlt es sich, nicht auf eigene Faust zu handeln, sondern fr\u00fchzeitig einen Anwalt einzuschalten. Versicherungen sind keine Wohlt\u00e4tigkeitsvereine, sondern arbeiten nach betriebswirtschaftlichen Grunds\u00e4tzen \u2013 dagegen ist grunds\u00e4tzlich nichts einzuwenden, denn nur ein wirtschaftlich gesundes Unternehmen kann Sch\u00e4den zuverl\u00e4ssig regulieren. Dies darf jedoch nicht dazu f\u00fchren, dass berechtigte Anspr\u00fcche des Gesch\u00e4digten ungerechtfertigt gek\u00fcrzt werden.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/kontakt\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Kontaktieren Sie uns<\/a>, damit Ihnen das nicht passiert!<\/p>\n\n\n\n<p><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/downloads\/\" target=\"_blank\"><strong>Voigt regelt!<\/strong><\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">FAQ<\/h2>\n\n\n<div class=\"wp-block-uagb-faq uagb-faq__outer-wrap uagb-block-91d3e589 uagb-faq-icon-row uagb-faq-layout-accordion uagb-faq-expand-first-true uagb-faq-inactive-other-true uagb-faq__wrap uagb-buttons-layout-wrap uagb-faq-equal-height     \" data-faqtoggle=\"true\" role=\"tablist\"><div class=\"wp-block-uagb-faq-child uagb-faq-child__outer-wrap uagb-faq-item uagb-block-007bb32f \" role=\"tab\" tabindex=\"0\"><div class=\"uagb-faq-questions-button uagb-faq-questions\">\t\t\t<span class=\"uagb-icon uagb-faq-icon-wrap\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t<svg xmlns=\"https:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox= \"0 0 448 512\"><path d=\"M432 256c0 17.69-14.33 32.01-32 32.01H256v144c0 17.69-14.33 31.99-32 31.99s-32-14.3-32-31.99v-144H48c-17.67 0-32-14.32-32-32.01s14.33-31.99 32-31.99H192v-144c0-17.69 14.33-32.01 32-32.01s32 14.32 32 32.01v144h144C417.7 224 432 238.3 432 256z\"><\/path><\/svg>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/span>\n\t\t\t\t\t\t<span class=\"uagb-icon-active uagb-faq-icon-wrap\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t<svg xmlns=\"https:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox= \"0 0 448 512\"><path d=\"M400 288h-352c-17.69 0-32-14.32-32-32.01s14.31-31.99 32-31.99h352c17.69 0 32 14.3 32 31.99S417.7 288 400 288z\"><\/path><\/svg>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/span>\n\t\t\t<span class=\"uagb-question\">Zu welchem Preis darf ich mein unfallbesch\u00e4digtes Fahrzeug verkaufen?<\/span><\/div><div class=\"uagb-faq-content\"><p>Der Gesch\u00e4digte leistet <em><q>dem Gebot der Wirtschaftlichkeit im Allgemeinen Gen\u00fcge und bewegt sich in den f\u00fcr die Schadensbehebung durch <a href=\"http:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bgb\/__249.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00a7 249 Abs. 2 S. 1 BGB<\/a> gezogenen Grenzen, wenn er die Ver\u00e4u\u00dferung seines besch\u00e4digten Kraftfahrzeuges zu demjenigen Preis vornimmt, den ein von ihm eingeschalteter Sachverst\u00e4ndiger in einem Gutachten, das eine korrekte Wertermittlung erkennen l\u00e4sst, als Wert auf dem allgemeinen regionalen Markt ermittelt hat<\/q>.<\/em> (BGH v. 01.06.2010, Az. <a href=\"http:\/\/juris.bundesgerichtshof.de\/cgi-bin\/rechtsprechung\/document.py?Gericht=bgh&amp;Art=en&amp;sid=ca0ebbc3c118e2024a89afd1eb8cf8ee&amp;nr=52422&amp;pos=0&amp;anz=1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">VI ZR 316\/09<\/a>).<\/p><\/div><\/div><\/div>\n\n\n<p style=\"font-size:12px\">Bildnachweis: RyanMcGuire \/ Pixabay<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\">Aktualisiert am 27.04.2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unfallgesch\u00e4digte m\u00fcssen das Restwertangebot der Versicherung nicht abwarten.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":42249,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_seopress_robots_primary_cat":"none","_seopress_titles_title":"Restwertangebot der Versicherung abwarten? \u2013 Keine Wartepflicht f\u00fcr Gesch\u00e4digte","_seopress_titles_desc":"M\u00fcssen Gesch\u00e4digte das Restwertangebot der Versicherung abwarten, bevor sie ihr Unfallfahrzeug verkaufen? 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