{"id":22081,"date":"2021-05-19T13:20:18","date_gmt":"2021-05-19T11:20:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www2.etl.de\/?post_type=aktuelles&#038;p=22081"},"modified":"2022-11-11T15:53:13","modified_gmt":"2022-11-11T15:53:13","slug":"kann-starkregen-vor-fahrverboten-schuetzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/?p=22081","title":{"rendered":"Kann Starkregen vor Fahrverboten sch\u00fctzen?"},"content":{"rendered":"\n<p>Starkregen und feuchte Fahrbahnen verl\u00e4ngern den Bremsweg und erfordern eine erh\u00f6hte Aufmerksamkeit des Fahrzeuglenkers und im Zweifel eine Vergr\u00f6\u00dferung des <a href=\"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/stichworte\/verkehr-und-recht\/abstand-mindestabstand\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Abstands zum Vordermann<\/a>. Massenkarambolagen bei <a href=\"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/stichworte\/verkehr-und-recht\/schlechte-sicht-und-wetterverhaeltnisse\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">schlechten Sicht- und Wetterverh\u00e4ltnissen<\/a> zeigen immer wieder, welche Folgen die Missachtung dieses Gebots haben kann. Zudem rutschen Fahrzeuge immer wieder nicht nur in den Vordermann hinein, sondern auch \u00fcber die Haltelinien roter Ampeln hinweg. Regelm\u00e4\u00dfig kommt dann die Frage auf, ob und wie sich eine witterungsbedingte Verl\u00e4ngerung des Bremswegs auf die Verh\u00e4ngung von Bu\u00dfgeldern oder <a href=\"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/stichworte\/ordnungswidrigkeitenrecht\/fahrverbot\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Fahrverboten<\/a> auswirken kann.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Fahrweise ist den Witterungsverh\u00e4ltnissen anzupassen<\/strong>!<\/h2>\n\n\n\n<p>In der Rechtsprechung wird die Ansicht vertreten, bei einsetzendem Regen sei vorhersehbar, dass die Fahrbahn \u201eschmierig\u201c sein und Anlass zu einer Fahrt mit herabgesetzter Geschwindigkeit geben kann. Zudem seien Fahrzeugf\u00fchrer ohnehin zu einer vorausschauenden und vorsichtigen Fahrweise verpflichtet, die eine Gef\u00e4hrdung anderer Verkehrsteilnehmer ausschlie\u00dft (\u00a7&nbsp;1 Abs. 1&nbsp;und&nbsp;2 StVO). Die Geschwindigkeit ist daher nicht nur an die jeweiligen Stra\u00dfen-, Witterungs- und Sichtverh\u00e4ltnisse&nbsp;(<a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/stvo_2013\/__3.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00a7&nbsp;3 Abs. 1 StVO<\/a>) anzupassen, sondern auch so zu w\u00e4hlen, dass das Fahrzeug sicher gefahren und jederzeit gefahrlos angehalten werden kann (vgl. LG Bonn, Urt. v. 28.02.2020, <a href=\"http:\/\/www.justiz.nrw.de\/nrwe\/lgs\/bonn\/lg_bonn\/j2020\/1_O_21_19_Urteil_20200228.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Az. 1 O 21\/19<\/a>). Die H\u00fcrde f\u00fcr ein Absehen von einem Fahrverbot liegt daher eher hoch.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Von Fahrverboten kann abgesehen werden!<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Dennoch hatte das OLG Dresden bei einem qualifizierten Rotlichtversto\u00df, der eben auch darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren war, dass sich der Bremsweg bei winterlichen Stra\u00dfenverh\u00e4ltnissen aufgrund des Eingreifens des ABS verl\u00e4ngert hatte, von einem Fahrverbot abgesehen und lediglich eine Regelgeldbu\u00dfe verh\u00e4ngt (Beschl. v. 15.02.2001, <a href=\"https:\/\/www.justiz.sachsen.de\/esamosplus\/pages\/index.aspx\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Az. Ss (OWi) 523\/00<\/a>). Das AG Tiergarten hatte ebenfalls von der Verh\u00e4ngung eines Fahrverbots abgesehen (Urt. v. 14.12.2015, Az. 288 OWi 1234\/15). Allerdings legte die Amtsanwaltschaft hier Beschwerde ein und das Kammergericht Berlin \u00e4nderte die Entscheidung ab und verh\u00e4ngte \u2013 neben dem Bu\u00dfgeld in H\u00f6he von 200 \u20ac &#8211; zus\u00e4tzlich ein einmonatiges Fahrverbot (Beschl. v. 26.05.2016, <a href=\"https:\/\/gesetze.berlin.de\/bsbe\/document\/KORE213852016\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Az. 3 Ws (B) 269\/16<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Umst\u00e4nde des Einzelfalls entscheiden!<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Das Absehen von der Verh\u00e4ngung eines Regelfahrverbots kann nicht aus \u201eKulanz\u201c erfolgen. Dem Beurteilungsspielraum des Richters sind daher enge Grenzen gesetzt und die schriftlichen Urteilsgr\u00fcnde m\u00fcssen konkrete, nachvollziehbare und auf Tatsachen gest\u00fctzte Feststellungen enthalten, die die Annahme eines besonderen Ausnahmefalles nachvollziehbar erscheinen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein solcher kann gegeben sein, wenn das Fahrverbot f\u00fcr den Betroffenen&nbsp;<em>eine ganz au\u00dfergew\u00f6hnliche H\u00e4rte<\/em> darstellen w\u00fcrde oder der Sachverhalt zugunsten des Betroffenen so erhebliche Abweichungen vom Normalfall aufweist, dass die Annahme eines Ausnahmefalles gerechtfertigt erscheint (BayObLG, Beschl. v. 17.09.2019, <a href=\"https:\/\/www.gesetze-bayern.de\/Content\/Document\/Y-300-Z-BECKRS-B-2019-N-28173?hl=true\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Az. 201 ObOWi 1580\/19<\/a>). Dies gilt nicht nur f\u00fcr die im Urteil genannten Aspekte, sondern insbesondere auch f\u00fcr die Gesamtschau aller Umst\u00e4nde (vgl. KG Berlin, Beschl. v. 24.02.2016, <a href=\"https:\/\/gesetze.berlin.de\/bsbe\/document\/KORE206302016\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Az. 3 Ws (B) 95\/16<\/a>). Aber selbst ein drohender Verlust des Arbeitsplatzes ist noch keine Garantie daf\u00fcr, dass das Gericht von der Verh\u00e4ngung eines Fahrverbots absieht (vgl. BayObLG, Beschl. v. 11.06.2019, <a href=\"https:\/\/www.gesetze-bayern.de\/Content\/Document\/Y-300-Z-BECKRS-B-2019-N-17053?hl=true\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Az. 202 ObOWi 874\/19<\/a>). Einer der Gr\u00fcnde daf\u00fcr ist, dass Betroffene die M\u00f6glichkeit haben, den Beginn der Wirksamkeit des Verbots gem. <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/stvg\/__25.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00a7&nbsp;25 Abs.&nbsp;2a StVG<\/a> in einem Zeitraum von vier Monaten selbst zu bestimmen und damit z. B. in die Ferien zu verlegen &nbsp;(z. B. KG Berlin, Beschl. v. 06.03.2018, <a href=\"https:\/\/gesetze.berlin.de\/bsbe\/document\/KORE214852018\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Az. 3 Ws (B) 73\/18<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p>Selbst\u00e4ndige, Handwerker oder Freiberufler, bei denen kein Arbeitgeber den drohenden Verlust des Arbeitsplatzes best\u00e4tigen kann, m\u00fcssen hinreichend aussagekr\u00e4ftige Unterlagen (Bilanzen, Kontounterlagen, Steuerbescheide oder Gewinnermittlungen) vorlegen (OLG Bamberg, Beschl. v. 17.07.2012, <a rel=\"noopener\" href=\"https:\/\/www.iww.de\/quellenmaterial\/id\/86843\" target=\"_blank\">Az. 3 Ss OWi 944\/12<\/a>). In jedem Fall muss das Absehen von einem Fahrverbot aber auf einer eingehenden und nachvollziehbaren, auf Tatsachen gest\u00fctzten Begr\u00fcndung beruhen (KG, Beschl. v. 15.12.2020, <a rel=\"noopener\" href=\"https:\/\/gesetze.berlin.de\/bsbe\/document\/KORE208062021\" target=\"_blank\">Az. 3 Ws (B) 289-290\/20<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Zusammenfassung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Wer eine rote Ampel \u00fcber- oder auf den Vordermann auff\u00e4hrt, weil sich der Bremsweg aufgrund von N\u00e4sse verl\u00e4ngert hat, ist nicht vor der Verh\u00e4ngung eines Fahrverbots gefeit. Angesichts der H\u00fcrden, die vor dem Absehen von einem Fahrverbot zu \u00fcberwinden sind, sollten Betroffene sich keinesfalls auf das Geratewohl auf eine Diskussion mit den Beh\u00f6rden einlassen, sondern von Anfang an einen Anwalt damit beauftragen. Sprechen Sie mit uns! Voigt regelt!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das OLG Dresden hatte bei einem qualifizierten Rotlichtversto\u00df, der auch darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren war, dass sich der Bremsweg bei winterlichen Stra\u00dfenverh\u00e4ltnissen aufgrund des Eingreifens des ABS verl\u00e4ngert hatte, von einem Fahrverbot abgesehen und lediglich eine Regelgeldbu\u00dfe verh\u00e4ngt. Mehr dazu in dem Artikel.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":42002,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_seopress_robots_primary_cat":"none","_seopress_titles_title":"","_seopress_titles_desc":"","_seopress_robots_index":"","_relevanssi_hide_post":"","_relevanssi_hide_content":"","_relevanssi_pin_for_all":"","_relevanssi_pin_keywords":"","_relevanssi_unpin_keywords":"","_relevanssi_related_keywords":"","_relevanssi_related_include_ids":"","_relevanssi_related_exclude_ids":"","_relevanssi_related_no_append":"","_relevanssi_related_not_related":"","_relevanssi_related_posts":"9557,33763,8693,9689,7909,9903","_relevanssi_noindex_reason":"","_uag_custom_page_level_css":"","footnotes":""},"categories":[1299],"tags":[839,581,392],"class_list":["post-22081","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-rechtstipps","tag-abstand","tag-fahrverbot","tag-verkehrsunfall"],"acf":[],"uagb_featured_image_src":{"full":["https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/pexels-nadeesha-kalhara-jayasundara-12381534-scaled.jpg",2560,1598,false],"thumbnail":["https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/pexels-nadeesha-kalhara-jayasundara-12381534-150x150.jpg",150,150,true],"medium":["https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/pexels-nadeesha-kalhara-jayasundara-12381534-300x187.jpg",300,187,true],"medium_large":["https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/pexels-nadeesha-kalhara-jayasundara-12381534-768x479.jpg",768,479,true],"large":["https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/pexels-nadeesha-kalhara-jayasundara-12381534-1024x639.jpg",1024,639,true],"1536x1536":["https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/pexels-nadeesha-kalhara-jayasundara-12381534-1536x959.jpg",1536,959,true],"2048x2048":["https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/pexels-nadeesha-kalhara-jayasundara-12381534-2048x1279.jpg",2048,1279,true]},"uagb_author_info":{"display_name":"fx-admin","author_link":"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/?author=1"},"uagb_comment_info":0,"uagb_excerpt":"Das OLG Dresden hatte bei einem qualifizierten Rotlichtversto\u00df, der auch darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren war, dass sich der Bremsweg bei winterlichen Stra\u00dfenverh\u00e4ltnissen aufgrund des Eingreifens des ABS verl\u00e4ngert hatte, von einem Fahrverbot abgesehen und lediglich eine Regelgeldbu\u00dfe verh\u00e4ngt. 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