{"id":25811,"date":"2021-09-18T07:00:05","date_gmt":"2021-09-18T05:00:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www2.etl.de\/?post_type=aktuelles&#038;p=25811"},"modified":"2022-11-09T09:57:43","modified_gmt":"2022-11-09T09:57:43","slug":"nicht-jeder-rabatt-ist-entschaedigungsrelevant","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/?p=25811","title":{"rendered":"Nicht jeder Rabatt ist relevant!"},"content":{"rendered":"\n<p>Am 20.10.2019 entschied der BGH, dass Rabatte bei der Bezifferung des Schadens offen zu legen sind (<a href=\"http:\/\/juris.bundesgerichtshof.de\/cgi-bin\/rechtsprechung\/document.py?Gericht=bgh&amp;Art=en&amp;Datum=Aktuell&amp;nr=101822&amp;pos=11&amp;anz=515\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Az. VI ZR 45\/19<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p>Im Kern ging es darum, ob bei einer fiktiven Schadenabrechnung Rabatte zu ber\u00fccksichtigen sind, die Gro\u00dfkunden \u00fcblicherweise f\u00fcr Fahrzeugreparaturen bei markengebundenen Fachwerkst\u00e4tten auf dem allgemeinen regionalen Markt erhalten und die sie ohne weiteres auch f\u00fcr Unfallreparaturen nutzen k\u00f6nnten. Der BGH hat klargestellt, dass derartige Rabatte bei der Schadenkalkulation zu ber\u00fccksichtigen und vom Gesch\u00e4digten bereits bei der Bezifferung des Schadens ungefragt offen zu legen sind! Bei der Eindeutigkeit der Entscheidung war es eigentlich nur noch eine Frage der Zeit, bis Versicherer versuchen w\u00fcrden, die Entscheidung auf die Ermittlung der H\u00f6he des Schadens an dem besch\u00e4digten Fahrzeug selbst zu \u00fcbertragen und das AG Amberg hatte am 05.02.2021 (<a rel=\"noopener\" href=\"https:\/\/files.vogel.de\/infodienste\/smfiledata\/1\/6\/5\/2\/8\/5\/221191.pdf\" target=\"_blank\">Az. 2 C 694\/20<\/a>) \u00fcber einen Sachverhalt zu entscheiden hatte, bei dem es genau um diese Problematik ging.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was war passiert?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem ein Fahrzeug eines gewerblichen Autovermieters bei einem Unfall besch\u00e4digt worden war, begutachtete ein Sachverst\u00e4ndigen selbiges und ermittelte den Wiederbeschaffungswert. Diesen machte der Gesch\u00e4digte gegen\u00fcber dem Versicherer des Sch\u00e4digers im Rahmen der fiktiven Abrechnung geltend. Der Versicherer verweigerte den vollst\u00e4ndigen Ausgleich und argumentierte, der Gesch\u00e4digte w\u00fcrde beim Kauf von Neufahrzeugen Sonderkonditionen erhalten w\u00fcrde. Diese seien entsprechend zu ber\u00fccksichtigen. Der Gesch\u00e4digte erhielt tats\u00e4chlich Sonderkonditionen, dies aber lediglich beim Kauf von Neu- nicht aber von Gebrauchtfahrzeugen. Abgesehen davon, w\u00fcrde er aufgrund des Gesch\u00e4ftsmodells aber auch gar keine Gebrauchtwagen erwerben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Das Gericht gab dem Gesch\u00e4digten Recht!<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Das Gericht verurteilte den Versicherer zur vollst\u00e4ndigen Bezahlung des ermittelten Wiederbeschaffungswertes. Es stellte fest, <em>\u201edass die M\u00f6glichkeit der Rabattierung eines Neufahrzeugs den Wert eines Fahrzeugs im gebrauchten Zustand &#8230; nicht beeinflussen kann.\u201c<\/em> Dieser Wert sei anhand objektiver Kriterien durch einen Sachverst\u00e4ndigen zu ermitteln. Erg\u00e4nzend f\u00fchrte das Gericht aus, bei der fiktiven Abrechnung werde gerade darauf abgestellt<em>, \u201ewas die Wiederbeschaffung des besch\u00e4digten Fahrzeugs auf dem freien Markt kosten w\u00fcrde. Rabatte auf Gebrauchtfahrzeuge blieben dabei au\u00dfer Betracht.\u201c<\/em> Zudem stehe es einem Gesch\u00e4digten aufgrund seines Wahlrechts frei, fiktiv mit dem Versicherer abzurechnen und dennoch eine Ersatzbeschaffung vorzunehmen. Ob dabei ein Rabatt gew\u00e4hrt wird, ist f\u00fcr die Ermittlung des Wiederbeschaffungswerts schon deshalb ohne Bedeutung, da er f\u00fcr den Wert des Fahrzeugs bei einer Ver\u00e4u\u00dferung desselben ohne jegliche Bedeutung ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Zusammenfassung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>An dem Grundsatz, dass Gesch\u00e4digte im Rahmen des Schadensausgleichs so zu stellen sind, wie sie ohne das sch\u00e4digende Ereignis stehen w\u00fcrden, hat sich nichts ge\u00e4ndert. Da der Ausgleich \u201eglatt\u201c erfolgen soll, sondern soll sind Rabatte anzurechnen, wenn sie &#8211; wie z.B. Nachl\u00e4sse auf Instandsetzungsarbeiten &#8211;&nbsp; die erforderlichen Aufwendungen zur Beseitigung des Schadens verringern. Wo Nachl\u00e4sse gew\u00e4hrt werden, die sich bei der Schadensh\u00f6he aber in keiner Weise widerspiegeln, m\u00fcssen diese bei der Ermittlung der Entsch\u00e4digungsleistung au\u00dfen vor bleiben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Siehe auch:<\/strong> <a rel=\"noopener\" href=\"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/aktuelles\/rabatte-sind-bei-der-bezifferung-des-schadens-offen-zu-legen\" target=\"_blank\">Rabatte sind bei der Bezifferung des Schadens offen zu legen!<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Kern ging es darum, ob bei einer fiktiven Schadenabrechnung Rabatte zu ber\u00fccksichtigen sind, die Gro\u00dfkunden \u00fcblicherweise f\u00fcr Fahrzeugreparaturen bei markengebundenen Fachwerkst\u00e4tten auf dem allgemeinen regionalen Markt erhalten und die sie ohne weiteres auch f\u00fcr Unfallreparaturen nutzen k\u00f6nnten. 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