{"id":46730,"date":"2023-11-24T06:30:00","date_gmt":"2023-11-24T05:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/?p=46730"},"modified":"2024-03-08T09:36:12","modified_gmt":"2024-03-08T08:36:12","slug":"kein-rabatt-aber-rabatz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/?p=46730","title":{"rendered":"Kein Rabatt, aber Rabatz!"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was gilt bei Gro\u00dfkundenrabatten?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Gro\u00dfkundenrabatte sind, wie &#8211; alle anderen die Schadenh\u00f6he beeinflussenden Faktoren auch &#8211; bei der subjektbezogenen Schadenbetrachtung nur dann ber\u00fccksichtigungsf\u00e4hig, wenn sie sich auch tats\u00e4chlich auf die Schadenh\u00f6he auswirken. Dazu m\u00fcssen derartige Faktoren aber eben auch vorliegen.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem Urteil 29.10.2019 (<a href=\"https:\/\/juris.bundesgerichtshof.de\/cgi-bin\/rechtsprechung\/document.py?Gericht=bgh&amp;Art=en&amp;Datum=Aktuell&amp;nr=101822&amp;pos=11&amp;anz=515\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/juris.bundesgerichtshof.de\/cgi-bin\/rechtsprechung\/document.py?Gericht=bgh&amp;Art=en&amp;Datum=Aktuell&amp;nr=101822&amp;pos=11&amp;anz=515\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Az. VI ZR 45\/19<\/a>) hatte der BGH ausgef\u00fchrt, dass wenn ein Gesch\u00e4digter \u00fcber besondere Expertise, erh\u00f6hte Einflussm\u00f6glichkeiten oder sonstige Vorteile oder Erleichterungen verf\u00fcgt, diese zugunsten des Sch\u00e4digers zu ber\u00fccksichtigen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Explizit hat der BGH den Werksangeh\u00f6rigenrabatt (BGH,&nbsp;Urt.&nbsp;v.&nbsp;18.10.2011, <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/juris.bundesgerichtshof.de\/cgi-bin\/rechtsprechung\/document.py?Gericht=bgh&amp;Art=en&amp;sid=086e484f9f43b2d6ae94b981cc173f9f&amp;nr=57880&amp;pos=0&amp;anz=1\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/juris.bundesgerichtshof.de\/cgi-bin\/rechtsprechung\/document.py?Gericht=bgh&amp;Art=en&amp;sid=086e484f9f43b2d6ae94b981cc173f9f&amp;nr=57880&amp;pos=0&amp;anz=1\" target=\"_blank\">Az.&nbsp;VI ZR 17\/11<\/a>) oder Erkenntnism\u00f6glichkeiten eines mit dem An- und Verkauf von gebrauchten Kraftfahrzeugen befassten Unternehmens (BGH, Urt. v. 25.06.2019, <a href=\"https:\/\/juris.bundesgerichtshof.de\/cgi-bin\/rechtsprechung\/document.py?Gericht=bgh&amp;Art=en&amp;sid=35df6c86f7be1a7f90e788415924b807&amp;nr=98293&amp;pos=0&amp;anz=1\">Az.&nbsp;VI ZR 358\/18<\/a>) erw\u00e4hnt. Dagegen ist auch nichts einzuwenden, vorausgesetzt die Vorteile sind tats\u00e4chlich gezogen worden oder h\u00e4tten gezogen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ohne Vorzug kein Abzug!<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>H\u00e4tte der Gesch\u00e4digte in dem hier zugrundeliegenden Prozess einen Rabatt in Anspruch genommen, w\u00e4re dieser bei der Entsch\u00e4digung auch zu ber\u00fccksichtigen gewesen. Dies war aber nicht der Fall.<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00f6glicherweise kannte das Gericht ja die Entscheidungen des LG M\u00fcnchen I vom 03.01.2023, <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.gesetze-bayern.de\/Content\/Document\/Y-300-Z-BECKRS-B-2023-N-1045?hl=true\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.gesetze-bayern.de\/Content\/Document\/Y-300-Z-BECKRS-B-2023-N-1045?hl=true\" target=\"_blank\">Az. 17 S 11554\/22<\/a> oder des LG N\u00fcrnberg-F\u00fcrth vom 16.01.2019, <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.gesetze-bayern.de\/Content\/Document\/Y-300-Z-BECKRS-B-2019-N-30179?hl=true\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.gesetze-bayern.de\/Content\/Document\/Y-300-Z-BECKRS-B-2019-N-30179?hl=true\" target=\"_blank\">Az. 8 S 3262\/18<\/a>. Beide Urteile statuieren, dass Gro\u00dfkundenrabatte auch bei der fiktiven&nbsp;Schadensabrechnung zu ber\u00fccksichtigen sind, wenn ein Gesch\u00e4digter sie auch f\u00fcr die Reparatur des Unfallfahrzeugs in Anspruch nehmen k\u00f6nnte.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das passt auch. Schlie\u00dflich hat ein Sch\u00e4diger gem\u00e4\u00df <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bgb\/__249.html\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bgb\/__249.html\" target=\"_blank\">\u00a7 249 Abs. 1 BGB<\/a> den Zustand wieder herzustellen, der bestehen w\u00fcrde, wenn der zum Ersatz verpflichtende Umstand nicht eingetreten w\u00e4re. Bei einer tats\u00e4chlichen Reparatur sind daher die Reparaturkosten, bei der fiktiven Abrechnung ist der zur Herstellung des vorherigen Zustandes erforderliche Geldbetrag zu leisten &#8211; nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. <\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr einen Gro\u00dfkundenrabatt bedeutet dies, dass er nur abgezogen werden kann, wenn er auch existiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Dessen ungeachtet darf aber nicht \u00fcbersehen werden, dass wenn ein Neuwagenrabatt bei einer Ersatzbeschaffung zum Abzug gebracht wird, ein Gesch\u00e4digter schlechter gestellt ist als ohne das Unfallereignis, da er den wirtschaftlichen Vorteil verliert (vgl. AG Borna, Urt. v. 01.11.2023, Az. 11 C 264\/23). <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Unterstellen reicht nicht<\/strong>!<\/h2>\n\n\n\n<p>Da es sich bei dem Gesch\u00e4digten um eine Autowerkstatt handelte, unterstellte der Versicherer, dass er einen <em>\u201e<\/em><em>branchen\u00fcblichen Nachlass von 15% erhalte<\/em>.\u201c Au\u00dferdem meinte er, UPE-Aufschl\u00e4ge und Verbringungskosten seien nur bei tats\u00e4chlicher Reparatur erstattungsf\u00e4hig.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gericht machte kurzen Prozess. Der Gesch\u00e4digte hatte die H\u00f6he des Schadens durch ein Sachverst\u00e4ndigengutachten belegt und das Gericht konnte keine Anhaltspunkte erkennen, wonach <em>\u201edie im Rahmen einer tats\u00e4chlichen Reparatur f\u00fcr die Kl\u00e4gerin anfallenden Reparaturkosten im Rahmen des Gutachtens des Ingenieurb\u00fcros &#8230; nicht ber\u00fccksichtigt worden sind.\u201c <\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Verk\u00fcrzung der Schadensersatzleistung um den behaupteten Gro\u00dfkundenrabatt war damit schon einmal vom Tisch.<\/p>\n\n\n\n<p>Anschlie\u00dfend fegte das Gericht noch die Verweigerung der Erstattung von UPE-Zuschl\u00e4gen und Verbringungskosten vom Tisch. Beide Positionen waren orts\u00fcblich, was der Versicherer \u00fcbrigens auch nicht bestritten hatte. Das Gericht hatte hinsichtlich deren Berechtigung daher auch keine Bedenken; weder dem Grunde noch der H\u00f6he nach.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Fazit<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Wenn es darum geht Geld zu sparen, stellen Versicherer gerne schon einmal Behauptungen auf, die in einem Prozess in sich zusammenfallen. Da etliche Gesch\u00e4digte dies einfach so hinnehmen, weil sie einen Prozess scheuen, ist diese Taktik auch &#8211; unn\u00f6tigerweise &#8211; immer wieder &#8211; von Erfolg gekr\u00f6nt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer im Rahmen eines Unfalls gesch\u00e4digt worden ist und sicherstellen will, dass der Versicherer des Unfallverursachers den Schaden auch vollst\u00e4ndig ersetzt, sollte mit uns sprechen. Wir kennen die Spielchen der Versicherer und wissen damit umzugehen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kurzum: <a href=\"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/leistungen\/unfallschaeden\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Voigt regelt!<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das AG Celle hatte einen Versicherer zur Zahlung von restlichem Schadenersatz verurteilt, nachdem dieser die Ersatzleistung um einen dem Gesch\u00e4digten unterstellten Gro\u00dfkundenrabatt verk\u00fcrzt hatte. Allerdings hatte der Gesch\u00e4digte weder einen solchen Rabatt erhalten noch in Anspruch genommen. Das Gericht  stellte die Sache klar!<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":46742,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_seopress_robots_primary_cat":"none","_seopress_titles_title":"","_seopress_titles_desc":"","_seopress_robots_index":"","_relevanssi_hide_post":"","_relevanssi_hide_content":"","_relevanssi_pin_for_all":"","_relevanssi_pin_keywords":"","_relevanssi_unpin_keywords":"","_relevanssi_related_keywords":"","_relevanssi_related_include_ids":"","_relevanssi_related_exclude_ids":"","_relevanssi_related_no_append":"","_relevanssi_related_not_related":"","_relevanssi_related_posts":"9427,9517,28079,7125,6987,9861","_relevanssi_noindex_reason":"","_uag_custom_page_level_css":"","footnotes":""},"categories":[26],"tags":[],"class_list":["post-46730","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelles"],"acf":[],"uagb_featured_image_src":{"full":["https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/fifteen-percent-off-1424811_1280.png",1235,1280,false],"thumbnail":["https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/fifteen-percent-off-1424811_1280-150x150.png",150,150,true],"medium":["https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/fifteen-percent-off-1424811_1280-289x300.png",289,300,true],"medium_large":["https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/fifteen-percent-off-1424811_1280-768x796.png",768,796,true],"large":["https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/fifteen-percent-off-1424811_1280-988x1024.png",988,1024,true],"1536x1536":["https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/fifteen-percent-off-1424811_1280.png",1235,1280,false],"2048x2048":["https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/fifteen-percent-off-1424811_1280.png",1235,1280,false]},"uagb_author_info":{"display_name":"henning.hammer","author_link":"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/?author=7"},"uagb_comment_info":0,"uagb_excerpt":"Das AG Celle hatte einen Versicherer zur Zahlung von restlichem Schadenersatz verurteilt, nachdem dieser die Ersatzleistung um einen dem Gesch\u00e4digten unterstellten Gro\u00dfkundenrabatt verk\u00fcrzt hatte. 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