{"id":48105,"date":"2024-03-21T14:48:56","date_gmt":"2024-03-21T13:48:56","guid":{"rendered":"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/?p=48105"},"modified":"2024-03-21T14:48:57","modified_gmt":"2024-03-21T13:48:57","slug":"gutes-rad-ist-teuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/?p=48105","title":{"rendered":"Gutes Rad ist teuer"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Was gilt grunds\u00e4tzlich?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Grunds\u00e4tze des<a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bgb\/__249.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"> \u00a7 249 Abs. 1 BGB<\/a> gelten auch f\u00fcr Fahrradsch\u00e4den. Wer zum Schadensersatz verpflichtet ist, hat den Zustand herzustellen, der bestehen w\u00fcrde, wenn der zum Ersatz verpflichtende Umstand nicht eingetreten w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>Was Sachsch\u00e4den betrifft, sind hier z.B. die Kosten der Sch\u00e4den am Fahrrad und deren Instandsetzung aber auch f\u00fcr besch\u00e4digte Bekleidung und Zubeh\u00f6r wie z.B. Fahrradkleidung, Rennradbrille oder eine Trinkflasche zu nennen (OLG Frankfurt, Urt. v. 16.07.2020, <a href=\"https:\/\/www.rv.hessenrecht.hessen.de\/bshe\/document\/LARE200001197\/part\/L\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.rv.hessenrecht.hessen.de\/bshe\/document\/LARE200001197\/part\/L\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Az. 22 U 205\/19<\/a>). Bei einem etwaigen Abzug \u201eneu f\u00fcr alt\u201c kommt es darauf an, <em>\u201eob die neu anzuschaffende Sache aufgrund ihres individuellen Nutzungspotentials gerade f\u00fcr den Gesch\u00e4digten einen h\u00f6heren Wert hat<\/em>\u201c (OLG K\u00f6ln, Urt. v. 01.08.2014, <a href=\"https:\/\/www.justiz.nrw.de\/nrwe\/olgs\/koeln\/j2014\/11_U_23_14_Beschluss_20140801.html\">Az. 11 U 23\/14<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was gilt f\u00fcr die Einschaltung von Sachverst\u00e4ndigen?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Der Grundsatz, dass die Kosten der Schadensfeststellung Teil des zu ersetzenden Schadens sind und &nbsp;der Sch\u00e4diger die Kosten von Sachverst\u00e4ndigengutachten zu erstatten hat, soweit diese zu einer zweckentsprechenden Rechtsverfolgung notwendig sind (BGH, Urt. v. 11.02.2014, <a href=\"https:\/\/juris.bundesgerichtshof.de\/cgi-bin\/rechtsprechung\/document.py?Gericht=bgh&amp;Art=en&amp;nr=66938&amp;pos=0&amp;anz=1\">Az. VI ZR 225\/13<\/a>),&nbsp; gilt auch bei Fahrradsch\u00e4den.<\/p>\n\n\n\n<p>Das OLG D\u00fcsseldorf (Urt. v. 12.03.2007, <a href=\"https:\/\/www.justiz.nrw.de\/nrwe\/olgs\/duesseldorf\/j2007\/I_1_U_192_06urteil20070312.html\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.justiz.nrw.de\/nrwe\/olgs\/duesseldorf\/j2007\/I_1_U_192_06urteil20070312.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Az. I-1 U 192\/06<\/a>) Erforderlichkeit und Zweckm\u00e4\u00dfigkeit auch bei einem betragsm\u00e4\u00dfig geringen Schadensumfang betragsm\u00e4\u00dfig geringen Schaden bejaht. Begr\u00fcndet hatte es dies u.a. damit, dass <em>\u201edie Besch\u00e4digung des Rades nahe am wirtschaftlichen Totalschaden lag und damit jedenfalls relativ hoch war. Eine \u00dcbertragung der bei Pkw-Schadensf\u00e4llen in der Rechtsprechung in unterschiedlicher H\u00f6he angenommenen Bagatellgrenzen auf einen Fahrradschaden verbietet sich von vorneherein angesichts des deutlich h\u00f6heren Wertes eines Pkw, zumal hier auch die Gutachterkosten in einer anderen Dimension liegen.\u201c <\/em>Angesichts der oben angerissenen Werte bei Fahrr\u00e4dern, die nicht zuletzt auch der Verwendung neuer hochwertiger Materialen geschuldet ist, d\u00fcrfte zumindest der zweite nicht mehr zutreffen. Exemplarisch sei ein Urteil des OG K\u00f6ln genannt. Hier lagen der Wiederbeschaffungswert des Fahrrads 8.500 Euro, die Reparaturkosten bei 10.798,50 Euro (LG K\u00f6ln, Urt. v. 23.10.2023, Az. 15 O 424\/21).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wie verh\u00e4lt es sich bei Totalsch\u00e4den?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Dem OLG M\u00fcnchen zufolge (Urt. v. 16.11.2018, Az. 10 U 1885\/18) ist f\u00fcr die Berechnung der Reparaturkosten&nbsp;grunds\u00e4tzlich die Kalkulation des Sachverst\u00e4ndigen f\u00fcr eine fachgerechte Instandsetzung. Der tats\u00e4chlich angefallene Reparaturaufwand ist dabei nur bis zur 130 % Grenze ma\u00dfgeblich. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Begr\u00fcndung liegt in dem besonderen Integrit\u00e4tsinteresse des Gesch\u00e4digten, demzufolge <em>\u201efaktisch sichergestellt sein <\/em>[solle],<em> dass das Eigentum des Gesch\u00e4digten f\u00fcr den Bedarfsfall in seiner konkreten Zusammensetzung und nicht nur dem Wert nach erhalten bleiben kann.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was ist mit Nutzungsausfall?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Die Erstattung eines Nutzungsausfallschadens ist auch bei Fahrr\u00e4dern m\u00f6glich. Wie bei dem Ausfall von Kraftfahrzeugen, kommt es auch hier auf den \u201e<em>verm\u00f6gensmehrenden, erwerbswirtschaftlichen Verwendung vergleichbaren eigenwirtschaftlichen, verm\u00f6gensm\u00e4\u00dfig erfassbaren Einsatz\u201c<\/em> (OLG Stuttgart,\u00a0Hinweisbeschl. v. 09.09.2013, <a href=\"https:\/\/www.landesrecht-bw.de\/bsbw\/document\/KORE229592013\">Az.\u00a013 U 102\/13<\/a>), bei gleichzeitig bestehender Nutzungsm\u00f6glichkeit und Nutzungswillen an (KG Berlin, Urt. v. 16.07.1993, Az. 18 U 1276\/92).<\/p>\n\n\n\n<p>Das LG L\u00fcbeck hat sich dem KG Berlin angeschlossen und konstatiert, dass wenn ein Gesch\u00e4digter sein Fahrrad z.B. regelm\u00e4\u00dfig f\u00fcr den Weg zur Arbeit nutzt und deshalb auf die st\u00e4ndige Verf\u00fcgbarkeit typischerweise angewiesen ist, auch einen Anspruch auf Erstattung des Nutzungsausfallschadens haben kann. Anders  kann dies bei zu Sportzwecken genutzten Rennr\u00e4dern beurteilt werden (OLG Stuttgart, s.o.).<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00f6rtlich hei\u00dft es in dem Urteil: <em>\u201eEin Grund, der es rechtfertigen w\u00fcrde, denjenigen, dessen f\u00fcr den Weg zur Arbeitsst\u00e4tte genutzter Pkw besch\u00e4digt wird, anders zu behandeln als denjenigen, dessen f\u00fcr den Weg zur Arbeit genutztes&nbsp;<\/em><em>Fahrrad&nbsp;besch\u00e4digt wird, besteht nicht\u201c <\/em>(LG L\u00fcbeck, Urt. v. 8.07. 2011, Az. 1 S 16\/11; s.a. AG Ansbach, Urt. v. 03.10.2021, Az. 1 C 571\/21).<strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Fazit<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Die Abwicklung von Sch\u00e4den nach einem Fahrradunfall richtet sich grunds\u00e4tzlich nach den gleichen Regeln, die auch bei Auto- oder Motorradunf\u00e4llen zur Anwendung kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies gilt sowohl f\u00fcr den Schadenersatz als auch f\u00fcr die Haftung. Wer auf einem nicht freigegebenen Fu\u00dfweg nicht bremsbereit und mit nicht mit angepasster Geschwindigkeit unterwegs ist, muss deshalb damit rechnen, dass sein Verhalten als r\u00fccksichtslos und grob fahrl\u00e4ssig eingestuft wird mit entsprechenden Folgen f\u00fcr die Schadenersatzanspr\u00fcche. Allerdings kommt es auch hier entscheidend auf den Einzelfall an. So haben z.B. die Oberlandesgerichte M\u00fcnchen (Urt. v. 27.02.2015, Az. 10 U 4873\/13&nbsp;) und K\u00f6ln (Urt. v. 14.01.1994, <a href=\"https:\/\/www.justiz.nrw.de\/nrwe\/olgs\/koeln\/j1994\/19_U_208_93_Urteil_19940114.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Az. 19 U 208\/93<\/a>) anerkannt, dass Radwege in unbenutzbarem Zustand entgegen <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/stvo_2013\/__2.html\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/stvo_2013\/__2.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00a7 2 IV StVO<\/a> nicht benutzt werden m\u00fcssen und Radfahrer beim Vorliegen eines derma\u00dfen schlechten Zustandes durchaus auf den Seitenstreifen oder die rechte Fahrspur ausweichen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Durchsetzung schadenersatzrechtlicher Anspr\u00fcche wird f\u00fcr gesch\u00e4digte Fahrradfahrer dadurch aber nicht leichter \u2013 es ist eher genau anderes herum.<\/p>\n\n\n\n<p>Lassen Sie sich nach einem Unfall mit ihrem Fahrrad daher nicht noch zus\u00e4tzlich aus der Spur werfen.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/kontakt\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/kontakt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Kontaktieren Sie uns!<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/voigt-regler\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Voigt regelt!<\/a><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\">Bildnachweis: GlauchauCity \/ Pixabay<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fr\u00fcher gab es Fahrr\u00e4der auch nicht umsonst. Aber mehr als ein Auto hat keines gekostet. Heute ist das anders und Elektro- oder Fahrr\u00e4der mit Carbonrahmen k\u00f6nnen so viel kosten wie ein Kleinwagen. Das &#8211; laut Guinness-Buch der Rekorde &#8211; teuerste Fahrrad der Welt, das sogenannte Butterfly Bike, erzielte 2009 auf einer Auktion immerhin 500.000 US-Dollar. Das Fahrrad ist zwar ebensowenig repr\u00e4sentativ wie das &#8220;Aurumania Gold Bike Crystal Edition&#8221; f\u00fcr 80.000 \u20ac. Aber dass Fahrr\u00e4der oder E-Bikes mehr als 10.000 Euro kosten, ist inzwischen keine Seltenheit mehr.<br \/>\nDie Frage, ob die Grunds\u00e4tze der Schadenabwicklung bei Kraftfahrzeugen auf Fahrr\u00e4der \u00fcbertragbar sind, ist daher durchaus berechtigt.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":48110,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_seopress_robots_primary_cat":"none","_seopress_titles_title":"%%sitetitle%%","_seopress_titles_desc":"","_seopress_robots_index":"","_relevanssi_hide_post":"","_relevanssi_hide_content":"","_relevanssi_pin_for_all":"","_relevanssi_pin_keywords":"","_relevanssi_unpin_keywords":"","_relevanssi_related_keywords":"","_relevanssi_related_include_ids":"","_relevanssi_related_exclude_ids":"","_relevanssi_related_no_append":"","_relevanssi_related_not_related":"","_relevanssi_related_posts":"10517,7297,10151,8205,7111,23549","_relevanssi_noindex_reason":"","_uag_custom_page_level_css":"","footnotes":""},"categories":[26],"tags":[948,442,1055,1342,1071,404],"class_list":["post-48105","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelles","tag-abzug-neu-fuer-alt","tag-fahrrad","tag-fahrradunfall","tag-nutzungsausfall","tag-unfall","tag-verkehr-recht"],"acf":[],"uagb_featured_image_src":{"full":["https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/accident-4713621_1280-1.jpg",1280,853,false],"thumbnail":["https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/accident-4713621_1280-1-150x150.jpg",150,150,true],"medium":["https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/accident-4713621_1280-1-300x200.jpg",300,200,true],"medium_large":["https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/accident-4713621_1280-1-768x512.jpg",768,512,true],"large":["https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/accident-4713621_1280-1-1024x682.jpg",1024,682,true],"1536x1536":["https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/accident-4713621_1280-1.jpg",1280,853,false],"2048x2048":["https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/accident-4713621_1280-1.jpg",1280,853,false]},"uagb_author_info":{"display_name":"henning.hammer","author_link":"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/?author=7"},"uagb_comment_info":0,"uagb_excerpt":"Fr\u00fcher gab es Fahrr\u00e4der auch nicht umsonst. 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