{"id":50405,"date":"2024-10-30T12:27:24","date_gmt":"2024-10-30T11:27:24","guid":{"rendered":"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/?p=50405"},"modified":"2024-11-07T09:02:36","modified_gmt":"2024-11-07T08:02:36","slug":"provozierter-unfall-oder-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/?p=50405","title":{"rendered":"Provozierter Unfall oder nicht?"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Hatte der Transporter zur\u00fcckgesetzt?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Die Besonderheit des Falles bestand aber darin, dass gekl\u00e4rt werden musste, ob die Aussage des Fahrers des vorausfahrenden Fahrzeugs stimmte, wonach er wegen einer Katze unerwartet bremsen musste oder ob er pl\u00f6tzlich und unerwartet r\u00fcckw\u00e4rts und ungebremst in das nachfolgende, angeblich seinerseits aufgefahrene Auto gefahren war.  <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Waren 50% Haftung korrekt?<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Das Landgericht Kiel hatte den Unfallhergang als unaufkl\u00e4rbar gesehen und die Haftung \u2013 unter Abw\u00e4gung der beiderseitigen Betriebsgefahr \u2013 zu jeweils zu 50 % auf die Parteien verteilt (LG Kiel, Az. 7 O 228\/22 v. 13. 03.2024).<\/p>\n\n\n\n<p>Das OLG Schleswig sah das aber anders und sprach dem Halter des vermeintlich aufgefahrenen Fahrzeugs weiteren Schadenersatz zu. Das Landgericht hatte zwar Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Angaben der als Zeugin vernommenen Beifahrerin ge\u00e4u\u00dfert, die die Ehefrau des Halters war. Zudem hatte es sich auf das eingeholte Sachverst\u00e4ndigengutachten bezogen, demzufolge beide Unfalldarstellungen denkbar waren.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die erneute Zeugenvernehmung war unumg\u00e4nglich!<\/h2>\n\n\n\n<p>Um Klarheit zu schaffen, hatte das OLG Schleswig die Zeugin daher noch einmal zu angeh\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p> Auch hier galt, dass ein Gericht die im Prozess gewonnenen Erkenntnisse nach seiner individuellen Einsch\u00e4tzung bewerten darf, solange es dabei die Denkgesetze, die Naturgesetze und die Erfahrungsgesetze ber\u00fccksichtigt. An die Erkenntnisse der Vorinstanz ist es dabei nicht gebunden. Ob und wie weit Verwandtschaftsverh\u00e4ltnisse die Glaubw\u00fcrdigkeit von Zeugen oder die Glaubhaftigkeit einer Aussage beeintr\u00e4chtigen, muss das Gericht dann selber entscheiden.<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits in der ersten Instanz hatte die Zeugin folgendes ausgesagt: <\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;\u201e<em>Wir hielten hinter einem Wagen (wei\u00dfer Sprinter). Pl\u00f6tzlich sehe ich seine R\u00fccklichter aufleuchten. Der f\u00e4hrt ja r\u00fcckw\u00e4rts, rief ich. Da krachte der Wagen schon in unseren Wagen rein.<\/em>\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Glaubw\u00fcrdigkeit der Zeugin gab den Ausschlag!<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Der Senat hat die Aussagen der Zeugin f\u00fcr glaubhaft und die Zeugin f\u00fcr absolut glaubw\u00fcrdig gehalten. Neben dem Auftritt der Zeugin war dabei entscheidend, dass die Aussagen nach dem Unfall und vor Gericht weder voneinander abwichen noch \u201eaalglatt\u201c und nur zu Gunsten des Anspruchstellers ausgefallen waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Sowohl bei ihrer polizeilichen Anh\u00f6rung direkt nach dem Unfall, als auch beim Landgericht und beim OLG hatte die Zeugin immer gesagt, der Sprinter sei pl\u00f6tzlich und ohne Vorwarnung r\u00fcckw\u00e4rts gefahren und habe damit den Schaden verursacht, nachdem er zun\u00e4chst angehalten hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Dadurch h\u00e4tte ihr Fahrzeug mindestens eine Minute lang hinter dem Sprinter gestanden, und zwar in einem Abstand von ca. 3 Metern. Danach sei es beim R\u00fcckw\u00e4rtsfahren zur Kollision gekommen. Der Senat des OLG Schleswig war davon \u00fcberzeugt, dass diese Aussage der Wahrheit entsprach.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00f6rtlich hei\u00dft es in dem Urteil: <em>\u201eDie Zeugin hat konzentriert und ruhig ausgesagt und machte auf den Senat einen seri\u00f6sen Eindruck. Der Senat hat auch nicht vergessen, dass die Zeugin die Ehefrau des Kl\u00e4gers ist. Das hei\u00dft, sie hat ein \u00e4hnliches Interesse wie er. Man kann einer solche Zeugin also nicht von vornherein weniger Glauben schenken als einer Zeugin, die in keiner Beziehung zu den Parteien steht. Die Zeugin hat sich nicht einseitig belastet. Sie h\u00e4tte zwar f\u00fcr den Kl\u00e4ger g\u00fcnstiger aussagen k\u00f6nnen, hat das aber nicht getan. Zum Beispiel hat sie gesagt, dass sie sich nicht mehr genau daran erinnern kann, ob der R\u00fcckfahrscheinwerfer beim Beklagtenfahrzeug noch an war, als die Fotos gemacht wurden.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Fazit<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Das Urteil l\u00e4sst gleich mehrere R\u00fcckschl\u00fcsse zu. Zun\u00e4chst m\u00fcssen Dinge nicht immer so sein, wie es zun\u00e4chst den Anschein hat. Durch absichtliches R\u00fcckw\u00e4rtsfahren verursachte \u201eAuffahrunf\u00e4lle\u201c geh\u00f6ren inzwischen zur Realit\u00e4t. Wenn es nach einem derartigen Unfall zum Prozess kommt, k\u00f6nnen sowohl Aufnahmen von Dash-Cams, aber eben auch glaubw\u00fcrdige Zeugenaussagen, einen erheblichen Beitrag zur Aufkl\u00e4rung des wirklichen Hergangs und zur Abwehr ungerechtfertigt geltend gemachter Anspr\u00fcchen leisten. Das Bestehen verwandtschaftlicher Verh\u00e4ltnisse steht dem nicht zwingend entgegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mindestens genauso wichtig ist aber die Vertretung durch einen guten Anwalt. Denn wie das hier zugrundeliegende Verfahren zeigt, muss nicht jedes erstinstanzliche Urteil auch richtig sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Sollten Sie daher in einen Unfall verwickelt worden sein, <a href=\"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/kontakt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">kontaktieren Sie uns!<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/voigt-regler\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Voigt regelt!<\/a><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\">Titelbild: KI-generiert<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das OLG Schleswig hatte sich am 08.10.2024 mit einem Fall zu befassen, bei dem es um Fragen der Haftung und des Schadenersatzes nach einem vermeintlichen Auffahrunfall ging. Das w\u00e4re an sich auch nichts Besonderes gewesen.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":50411,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_seopress_robots_primary_cat":"none","_seopress_titles_title":"","_seopress_titles_desc":"","_seopress_robots_index":"","_relevanssi_hide_post":"","_relevanssi_hide_content":"","_relevanssi_pin_for_all":"","_relevanssi_pin_keywords":"","_relevanssi_unpin_keywords":"","_relevanssi_related_keywords":"","_relevanssi_related_include_ids":"","_relevanssi_related_exclude_ids":"","_relevanssi_related_no_append":"","_relevanssi_related_not_related":"","_relevanssi_related_posts":"6255,42096,9035,48332,45913,6529","_relevanssi_noindex_reason":"","_uag_custom_page_level_css":"","footnotes":""},"categories":[26],"tags":[1468,1467],"class_list":["post-50405","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelles","tag-provozierter-unfall","tag-zuruecksetzen"],"acf":[],"uagb_featured_image_src":{"full":["https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Designer-2.jpeg",1250,592,false],"thumbnail":["https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Designer-2-150x150.jpeg",150,150,true],"medium":["https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Designer-2-300x142.jpeg",300,142,true],"medium_large":["https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Designer-2-768x364.jpeg",768,364,true],"large":["https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Designer-2-1024x485.jpeg",1024,485,true],"1536x1536":["https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Designer-2.jpeg",1250,592,false],"2048x2048":["https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Designer-2.jpeg",1250,592,false]},"uagb_author_info":{"display_name":"henning.hammer","author_link":"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/?author=7"},"uagb_comment_info":0,"uagb_excerpt":"Das OLG Schleswig hatte sich am 08.10.2024 mit einem Fall zu befassen, bei dem es um Fragen der Haftung und des Schadenersatzes nach einem vermeintlichen Auffahrunfall ging. 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