{"id":50983,"date":"2024-12-17T16:37:28","date_gmt":"2024-12-17T15:37:28","guid":{"rendered":"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/?p=50983"},"modified":"2024-12-20T16:55:36","modified_gmt":"2024-12-20T15:55:36","slug":"schadenersatz-fussgaenger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/?p=50983","title":{"rendered":"Achtung Fu\u00dfg\u00e4nger! Verlust des Schadenersatzanspruchs droht!"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Wer glaubt, dass die Betriebsgefahr eines Autos automatisch zur Haftung des Autofahrers f\u00fchrt und Fu\u00dfg\u00e4nger daher automatisch \u201efreie Bahn\u201c haben, der irrt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">F\u00fcr Kinder und Erwachsene gelten unterschiedliche Ma\u00dfst\u00e4be!<\/h2>\n\n\n\n<p>Denn erstens l\u00e4sst sich die Frage nach einem m\u00f6glichen Mitverschulden nicht nach &#8220;Schema F&#8221; beantworten und zweitens kann es einen entscheidenden Unterschied machen, ob es sich bei der verletzten Person um einen Erwachsenen oder ein Kind handelt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberquert beispielsweise ein zehn Jahre und zwei Monate altes Kind eine Stra\u00dfe in vollem Lauf, zwischen im R\u00fcckstau stehenden Autos und wird es dabei von einem Pkw im Gegenverkehr erfasst, spielt die Frage, ob es an der nach <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bgb\/__823.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00a7 828 Abs. 3 BGB<\/a> erforderlichen Einsicht fehlte, eine entscheidende Rolle (OLG Hamm, Urt. v. 25.06.2024, <a href=\"https:\/\/www.justiz.nrw.de\/nrwe\/olgs\/hamm\/j2024\/7_U_142_23_Urteil_20240625.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Az. 7 U 142\/23<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz anders kann es dagegen bei Erwachsenen sein, sofern es sich nicht um eine Person handelt, die aufgrund \u00e4u\u00dferer Anzeichen erkennbar alkoholisiert und damit durchaus als hilfsbed\u00fcrftig im Sinne des <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/stvo_2013\/__3.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00a7 3 Abs. 2a StVO<\/a> anzusehen ist (vgl. BGH, Urteil vom 26.10.1999, <a href=\"https:\/\/research.wolterskluwer-online.de\/document\/ef68f485-be7d-4771-855f-559121692b5e\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Az. VI ZR 20\/99<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Alkohol kann zum Verlust des Schadenersatzanspruchs f\u00fchren!<\/h2>\n\n\n\n<p>Diese Erfahrung musste auch ein Fu\u00dfg\u00e4nger machen, der entgegen <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/stvo_2013\/__24.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00a7 25 Abs. 3 StVO<\/a> eine Fahrbahn \u00fcberqueren wollte, ohne auf leicht und uneingeschr\u00e4nkt erkennbare herannahende Fahrzeuge zu achten, und dabei von einem Pkw erfasst und schwer verletzt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Anders als in der erstgenannten Entscheidung, die einen Minderj\u00e4hrigen betraf, kam das OLG Hamm hier \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/stvg\/__9.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00a7 9 StVG<\/a> i.V.m. <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bgb\/__254.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00a7 254 BGB<\/a> zu einem vollst\u00e4ndigen Entfall des Schadenersatzanspruchs des Fu\u00dfg\u00e4ngers aus <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/stvg\/__7.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00a7 7 StVG<\/a>!<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hilfsbed\u00fcrftigkeit muss erkennbar sein!<\/h2>\n\n\n\n<p>Ausschlaggebend war, dass das Gericht die Geschwindigkeit des Pkw zum Unfallzeitpunkt (45 km\/h) unter Ber\u00fccksichtigung der Stra\u00dfen-, Witterungs- und Sichtverh\u00e4ltnisse als angemessen erschien und nicht nachgewiesen werden konnte, dass die alkoholbedingte Hilfsbed\u00fcrftigkeit des Fu\u00dfg\u00e4ngers erkennbar gewesen w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>Zudem sei der Fu\u00dfg\u00e4nger nur schwer zu erkennen gewesen, wie es z.B. bei einem pl\u00f6tzlichen Auftauchen zwischen an eine Stra\u00dfe angrenzenden Verkaufsbuden typisch ist. Aber auch die &#8220;Art der Fortbewegung&#8221; spielte eine entscheidende Rolle. Denn auch alkoholisierte Personen k\u00f6nnen durchaus einen fl\u00fcssigen Gang haben, sodass es an einem erkennbaren Grund f\u00fcr die nach <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/stvo_2013\/__3.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00a7 3 Abs. 2a StVO<\/a> gebotene \u00e4u\u00dferste Sorgfalt des Fahrzeugf\u00fchrers fehlen kann. Daran \u00e4ndert auch ein erkennbarer Schatten nichts, wenn dieser weder eine Person noch einen ungew\u00f6hnlichen Gang h\u00e4tte erkennen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn auch ein f\u00fcr Autofahrer wahrnehmbarer Schatten f\u00fchrt nicht zwingend zu einem schuldhaften Versto\u00df gegen <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/stvo_2013\/__3.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00a7 3 Abs. 2a StVO.<\/a> Abh\u00e4ngig davon, ob derjenige, der den Schatten wahrnimmt, auch eine hilfsbed\u00fcrftige Person erkannt hat oder h\u00e4tte erkennen m\u00fcssen, kann dies so weit gehen, dass selbst eine unterlassene Vollbremsung nicht zu einem schuldhaften Versto\u00df gegen <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/stvo_2013\/__1.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00a7 1 Abs. 2 StVO<\/a> f\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>So greift die Vorschrift beispielsweise dann nicht, wenn der schwankende Gang eines Fu\u00dfg\u00e4ngers, der zu einer kritischen Verkehrssituation und damit zu einer Reaktionsaufforderung f\u00fchren kann, erst wahrgenommen wird, nachdem der Fu\u00dfg\u00e4nger die Fahrbahn bereits betreten hat und es f\u00fcr eine unfallvermeidende Vollbremsung ohnehin zu sp\u00e4t gewesen w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>In dem zu entscheidenden Sachverhalt ging das Gericht daher von einem weit \u00fcberwiegenden Verschulden des Fu\u00dfg\u00e4ngers aus. Dieses sah es als derart gravierend an, dass der aus <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/stvg\/__7.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">\u00a7 7 Abs. 1 StVG<\/a> abzuleitende eigene Haftungsanteil der Beklagten vollst\u00e4ndig zur\u00fccktrat, zumal ein gefahrerh\u00f6hender Fahrfehler der Beklagten nicht festgestellt werden konnte. (vgl. BGH Urt. v. 07.02.2006, <a href=\"https:\/\/juris.bundesgerichtshof.de\/cgi-bin\/rechtsprechung\/document.py?Gericht=bgh&amp;Art=en&amp;nr=35707&amp;pos=0&amp;anz=1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Az. VI ZR 20\/05<\/a>; v. 04.11.2008, <a href=\"https:\/\/juris.bundesgerichtshof.de\/cgi-bin\/rechtsprechung\/document.py?Gericht=bgh&amp;Art=en&amp;sid=d10a359c3312082811f9fdb77a67280d&amp;nr=46374&amp;anz=2&amp;pos=0\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Az. VI ZR 171\/07<\/a>; v. 28.04.2015, <a href=\"https:\/\/juris.bundesgerichtshof.de\/cgi-bin\/rechtsprechung\/document.py?Gericht=bgh&amp;Art=en&amp;sid=ca584975beee506671a87dddb6a46aaf&amp;nr=71152&amp;anz=1&amp;pos=0\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Az. VI ZR 206\/14<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p>Anders verhielt es sich beim Fu\u00dfg\u00e4nger. Indem er die Fahrbahn einer hinreichend \u00fcbersichtlichen Stra\u00dfe mit nicht unerheblichem Verkehrsaufkommen r\u00fccksichtslos \u00fcberquerte bzw. \u00fcberqueren wollte, hatte er einen objektiv schwerwiegenden Verkehrsversto\u00df begangen, der zum Verlust seiner Anspr\u00fcche f\u00fchrte. <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p>Wer eine Stra\u00dfe \u00fcberqueren will, sollte nicht einfach loslaufen, sondern die Situation vorher pr\u00fcfen!&nbsp; Die ausreichende Beobachtung des Stra\u00dfenverkehrs vor dem \u00dcberqueren der Fahrbahn geh\u00f6rt zu den elementarsten Verhaltenspflichten eines Fu\u00dfg\u00e4ngers (vgl. OLG Hamm Urt. v. 16.11.2007, <a href=\"https:\/\/www.justiz.nrw.de\/nrwe\/olgs\/hamm\/j2007\/9_U_92_07urteil20071116.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Az. 9 U 92\/07<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p>Sollte es dennoch zu einem Unfall gekommen sein, wissen wir, wie Gesch\u00e4digte zu ihrem Recht kommen. <a href=\"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/kontakt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Kontaktieren sie uns!<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/voigt-regler\/\">Voigt regelt!<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weihnachtsm\u00e4rkte, Winterm\u00e4rkte und andere Festivit\u00e4ten haben gemeinsam, dass sie nicht nur auf abgegrenzten Arealen stattfinden. Insbesondere wenn sie direkt an Stra\u00dfen angrenzen, ist es &#8211; insbesondere in den Abendstunden &#8211; fast schon normal, dass Fu\u00dfg\u00e4nger unachtsam die Stra\u00dfe \u00fcberqueren. Meistens geht das glimpflich aus. Kommt es jedoch zu einem Unfall mit einem Auto, stellt sich auch immer wieder die Frage nach der Haftung des Fahrzeugf\u00fchrers und einem etwaigen Mitverschulden des Fu\u00dfg\u00e4ngers.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":50986,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_seopress_robots_primary_cat":"none","_seopress_titles_title":"Achtung Fu\u00dfg\u00e4nger! Verlust des Schadenersatzanspruchs droht!","_seopress_titles_desc":"Achtung Fu\u00dfg\u00e4nger! 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