{"id":54918,"date":"2025-10-21T10:15:52","date_gmt":"2025-10-21T08:15:52","guid":{"rendered":"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/?p=54918"},"modified":"2025-10-21T10:15:52","modified_gmt":"2025-10-21T08:15:52","slug":"rechtliches-gehoer-ist-vollstaendig-zu-gewaehren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/?p=54918","title":{"rendered":"Rechtliches Geh\u00f6r\u00a0ist vollst\u00e4ndig zu gew\u00e4hren!"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong><strong>Der Unfall: Geisterfahrt auf der Landstra\u00dfe<\/strong><\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>In dem vom Landgericht entschiedenen Sachverhalt waren zwei Fahrzeuge kollidiert, die auf einer Landstra\u00dfe in entgegengesetzten Fahrtrichtungen unterwegs waren. Der Unfall ereignete sich, als die Fahrerin des bei der Beklagten versicherten Fahrzeugs vor Beginn einer baulichen Trennung in der Mitte auf die zweispurige Gegenfahrbahn geriet, obwohl sich dort eine durchgezogene doppelte Leitlinie befand. Sie befand sich dann \u2013 entgegen der Fahrtrichtung \u2013 auf der Fahrspur des bei der Kl\u00e4gerin versicherten Fahrzeugs.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Haftungsverteilung: 1\/3 zu 2\/3<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Das Landgericht T\u00fcbingen nahm eine Haftungsverteilung von 1\/3 (Kl\u00e4gerin) zu 2\/3 (Beklagte) an, da es das Hauptverschulden bei der \u201eGeisterfahrt\u201d des bei der Beklagten versicherten Fahrzeugs sah. Das Mitverschulden des Fahrers des bei der Kl\u00e4gerin versicherten Fahrzeugs leitete es aus dessen \u00fcberh\u00f6hter Geschwindigkeit (80 km\/h bei erlaubten 50 km\/h) ab.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Das Problem: Nichtber\u00fccksichtigung zentraler Aspekte<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Das OLG Stuttgart hob das Urteil jedoch wegen eines wesentlichen Verfahrensfehlers auf. Seiner Ansicht nach hatte das Landgericht den Anspruch der Beklagten auf rechtliches Geh\u00f6r verletzt, indem es einen zentralen, streitigen Punkt \u00fcbergangen hatte: Die Beklagte hatte behauptet und unter Beweis gestellt, dass das von ihrer Versicherungsnehmerin gef\u00fchrte Fahrzeug bereits gestanden hatte, als das bei der Kl\u00e4gerin versicherte Fahrzeug anfuhr. Dies h\u00e4tte das Unfallgeschehen in einem anderen Licht erscheinen lassen k\u00f6nnen. Nicht als Reaktion auf eine pl\u00f6tzlich auftauchende Geisterfahrerin, sondern als Auffahren auf ein stehendes Hindernis \u2013 mit m\u00f6glicher Alleinhaftung des Fahrers des bei der Kl\u00e4gerin versicherten Fahrzeugs.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinzu kam, dass das Landgericht einen Beweisantritt des verklagten Versicherers ignorierte, demzufolge die Fahrerin des bei ihr versicherten Fahrzeugs sogar schon ausgestiegen war und warnend gewunken hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Vers\u00e4umnisse seien entscheidungserheblich, da sie die Haftungsabw\u00e4gung grundlegend beeinflussen k\u00f6nnten. Am Ende verwies das Oberlandesgericht den Fall daher zur erneuten Verhandlung und umfassenden Beweisaufnahme, einschlie\u00dflich der Zeugenvernehmung aller beteiligten Personen, zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Fazit<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Das Urteil zeigt, wie bedeutsam eine vollst\u00e4ndige W\u00fcrdigung des Parteivorbringens und eine sorgf\u00e4ltige Beweisaufnahme sind \u2013 insbesondere bei der komplexen Haftungsverteilung nach einem Verkehrsunfall. Die Entscheidung des OLG betont zudem den hohen Stellenwert des rechtlichen Geh\u00f6rs im Zivilprozess.<\/p>\n\n\n\n<p>Rechtsanw\u00e4lte haben darauf hinzuwirken, dass das mit der Sache befasste Gericht zentrale Argumente, insbesondere zum wechselseitigen Verschulden, nicht \u00fcbergeht. Ignoriert das Gericht entsprechende Hinweise und Antr\u00e4ge, liegt ein gravierender Verfahrensfehler vor, der eine Aufhebung und Zur\u00fcckverweisung rechtfertigt. In einem solchen Fall ist es Aufgabe des Rechtsanwalts, Berufung einzulegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die zugrundeliegende Entscheidung betraf zwar den Streit zweier Versicherer untereinander. Sie l\u00e4sst sich jedoch auf jeden anderen Unfall \u00fcbertragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Sichern Sie Ihre Rechte und Anspr\u00fcche!<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Damit Sie nach einem Unfall zu Ihrem Recht kommen und den Ihnen zustehenden Schadenersatz vollst\u00e4ndig erhalten, sollten Sie uns <a href=\"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">so fr\u00fch wie m\u00f6glich kontaktieren<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><a href=\"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/voigt-regler\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Wir regeln das f\u00fcr Sie!<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:12px\">Bildnachweis: Pixabay<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das OLG Stuttgart hatte sich mit einem Urteil des Landgerichts T\u00fcbingen zu befassen, in dem es um die Verschuldensfrage bei einem Verkehrsunfall ging. In dem Verfahren stritten sich zwei Versicherer. Das OLG musste dar\u00fcber entscheiden, ob das Landgericht T\u00fcbingen einen wesentlichen Verfahrensfehler begangen hatte, indem es den Kern des Vorbringens einer Partei verkannt und somit eine entscheidungserhebliche Frage verfehlt oder wesentliche Teile des Klagevortrags bzw. der Beweisantr\u00e4ge \u00fcbergangen hatte.<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":54923,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_seopress_robots_primary_cat":"none","_seopress_titles_title":"Rechtliches Geh\u00f6r muss vollst\u00e4ndig gew\u00e4hrt werden!","_seopress_titles_desc":"Der Anspruch auf rechtliches Geh\u00f6r wurde durch \u00dcbergehen eines Vortrags einer Partei zum Grad des wechselseitigen Verschuldens verletzt!","_seopress_robots_index":"","_relevanssi_hide_post":"","_relevanssi_hide_content":"","_relevanssi_pin_for_all":"","_relevanssi_pin_keywords":"","_relevanssi_unpin_keywords":"","_relevanssi_related_keywords":"","_relevanssi_related_include_ids":"","_relevanssi_related_exclude_ids":"","_relevanssi_related_no_append":"","_relevanssi_related_not_related":"","_relevanssi_related_posts":"","_relevanssi_noindex_reason":"","_uag_custom_page_level_css":"","footnotes":""},"categories":[26,1311],"tags":[356],"class_list":["post-54918","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelles","category-rechtsprechung","tag-unfallschadenregulierung"],"acf":[],"uagb_featured_image_src":{"full":["https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/judge-3665164_1280.jpg",1280,684,false],"thumbnail":["https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/judge-3665164_1280-150x150.jpg",150,150,true],"medium":["https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/judge-3665164_1280-300x160.jpg",300,160,true],"medium_large":["https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/judge-3665164_1280-768x410.jpg",768,410,true],"large":["https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/judge-3665164_1280-1024x547.jpg",1024,547,true],"1536x1536":["https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/judge-3665164_1280.jpg",1280,684,false],"2048x2048":["https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/judge-3665164_1280.jpg",1280,684,false]},"uagb_author_info":{"display_name":"henning.hammer","author_link":"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/?author=7"},"uagb_comment_info":0,"uagb_excerpt":"Das OLG Stuttgart hatte sich mit einem Urteil des Landgerichts T\u00fcbingen zu befassen, in dem es um die Verschuldensfrage bei einem Verkehrsunfall ging. 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