{"id":9305,"date":"2018-09-28T06:00:00","date_gmt":"2018-09-28T04:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www2.etl.de\/aktuelles\/an-den-eigenen-kaskobedingungen-die-zaehne-ausgebissen\/"},"modified":"2022-08-29T09:17:48","modified_gmt":"2022-08-29T09:17:48","slug":"an-den-eigenen-kaskobedingungen-die-zaehne-ausgebissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/?p=9305","title":{"rendered":"Zum Haftungsausschluss in der Kfz-Teilkaskoversicherung"},"content":{"rendered":"<p>Das OLG Frankfurt am Main (OLG) legt die Reichweite eines Haftungsausschlusses f\u00fcr Tierbisse in einer <a href=\"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/stichworte\/unfallschadenregulierung\/kaskoversicherung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Teilkaskoversicherung<\/a> fest und definiert dazu den Begriff des Fahrzeuginnenraums. (Urteil vom 05.09.2018, <a href=\"https:\/\/www.rv.hessenrecht.hessen.de\/bshe\/document\/LARE190019696\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Az. 7 U 25\/16<\/a>).<br \/>\n<strong>Was war passiert?<\/strong><br \/>\nDer Kl\u00e4ger ist Eigent\u00fcmer eines bei der Beklagten teilkaskoversicherten Fahrzeugs. Nach einem Werkstattaufenthalt im Fr\u00fchjahr 2014 erfuhr der Kl\u00e4ger von erheblichen Sch\u00e4den im Innenraum seines Fahrzeugs. Dazu teilte die Werkstatt mit, dass: <em><q>die Wasserl\u00e4ufe des Panoramadaches zerbissen, der Kopfairbag auf der Beifahrerseite angefressen und hinter dem Armaturenbrett starke Bisssch\u00e4den an der D\u00e4mmung und an der Isolierung der Verkabelung vorhanden waren.<\/q><\/em><br \/>\nEin Sachverst\u00e4ndiger ermittelte Tierbisse von Nagetieren als Schadensursache und vermutete, es seien M\u00e4use gewesen. Er sp\u00fcrte weitere Fahrzeugbesch\u00e4digungen auf, die \u00fcber dem Dachhimmel, hinter seitlichen Verkleidungsteilen und unter dem Belag des Fahrzeugbodens lagen.<br \/>\nDer Fahrzeugeigent\u00fcmer verlangte von seinem Versicherer den zur Schadensbeseitigung erforderlichen Betrag. Der Versicherer lehnte die Regulierung mit der Begr\u00fcndung ab, die Sch\u00e4den bef\u00e4nden sich im Fahrzeuginnenraum und seien vom Versicherungsschutz ausgenommen. Dazu verwies der Versicherer auf Ziffer A.2.2.7 der allgemeinen Versicherungsbedingungen, die auszugsweise lauten:<br \/>\n<q>Versichert sind Sch\u00e4den, die unmittelbar durch Tierbiss am Fahrzeug verursacht wurden. Sch\u00e4den am Fahrzeuginnenraum sind vom Versicherungsschutz ausgeschlossen\u0085<\/q>.<br \/>\nDer Eigent\u00fcmer des Fahrzeugs war damit nicht einverstanden und erhob Klage vor dem Landgericht (LG) Frankfurt am Main, um die Leistungspflicht des Versicherers feststellen zu lassen. Nachdem das LG Frankfurt am Main die Klage vollumf\u00e4nglich abgewiesen hatte ging die Sache in die n\u00e4chste Instanz.<br \/>\n<strong>Die Entscheidung des Gerichts<\/strong><br \/>\nDie Berufung vor dem OLG Frankfurt\/Main war erfolgreich. Das Oberlandesgericht bejahte eine Leistungspflicht der Fahrzeugversicherung und begr\u00fcndete dies wie folgt:<br \/>\nNach den allgemeinen Versicherungsbedingungen bestehe Versicherungsschutz f\u00fcr durch Tierbiss <q>am Fahrzeug<\/q> verursachte Sch\u00e4den. Ausgenommen seien dagegen Sch\u00e4den im Fahrzeuginnenraum.<br \/>\nDas Oberlandesgericht hatte daher zun\u00e4chst die Bedeutung der Begriffe in den Versicherungsbedingungen zu kl\u00e4ren.<br \/>\n<strong>Das OLG legt die Versicherungsbedingungen aus<\/strong><br \/>\nDas OLG f\u00fchrt aus, dass der Begriff <q>am Fahrzeug<\/q> das Fahrzeug als Gesamtheit und nicht nur dessen Au\u00dfenh\u00fclle betrifft. Bei der Auslegung des Begriffs <q>Fahrzeuginnenraum<\/q> stellt es darauf ab, was ein durchschnittlicher Versicherungsnehmer als Fahrzeuginnenraum ansehen w\u00fcrde.<br \/>\nEs kommt zu dem Schluss, dass dies alle <q>benutzbaren und zug\u00e4nglichen<\/q> Bereiche des Fahrzeugs seien, d.h. die Fahrgastzelle und der Kofferraum. Nur in diesen Fahrzeugteilen verursachte Sch\u00e4den &#8211; die sich durch eine Erkennbarkeit ohne Demontage von Fahrzeugteilen auszeichneten &#8211; seien als nicht versicherte Innenraumsch\u00e4den zu qualifizieren. Nicht zum Innenraum geh\u00f6rten deshalb alle verkleideten Zwischenr\u00e4ume des Fahrzeugs, inklusive etwaig dort vorhandener elektrischer Bauteile und Verkabelungen.<br \/>\nDiese Sichtweise werde dadurch best\u00e4tigt, dass Ausnahmen von der Leistungspflicht nicht weiter ausgedehnt werden d\u00fcrften, als es der wirtschaftliche Zweck erfordere. Weiter hei\u00dft es in dem Urteil, dass Tierbisssch\u00e4den in Mitteleuropa <em><q>vor allem im Motorraum an durchbissenen Kabeln<\/q><\/em> vorkommen w\u00fcrden. Wollte man derartige Sch\u00e4den als Sch\u00e4den im <q>Fahrzeuginnenraum<\/q> ansehen und die Eintrittspflicht des Versicherers verneinen, w\u00fcrde der Versicherungsschutz faktisch leerlaufen.<br \/>\n<strong>Kanzlei Voigt Praxistipp<\/strong><br \/>\nVersicherungsbedingungen sind oftmals kompliziert und schwer verst\u00e4ndlich. Der vorliegende Fall zeigt, dass selbst die Versicherer mitunter verkehrt liegen, wenn es um den Umfang ihrer Leistungspflicht geht.<br \/>\nAnwaltlicher\u00a0Rat sollte bereits vor der Schadensmeldung an den Versicherer und nicht erst dann eingeholt werden, wenn\u00a0es zu\u00a0Problemen bei der Schadensregulierung kommt.<br \/>\nDas Team der ETL-Kanzlei Voigt hilft Ihnen gerne, wenn es um die Durchsetzung Ihrer Anspr\u00fcche geht!<br \/>\n&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das OLG Frankfurt am Main (OLG) legt die Reichweite eines Haftungsausschlusses f\u00fcr Tierbisse in einer Teilkaskoversicherung fest und definiert dazu den Begriff des Fahrzeuginnenraums. (Urteil vom 05.09.2018, Az. 7 U 25\/16). Was war passiert? Der Kl\u00e4ger ist Eigent\u00fcmer eines bei der Beklagten teilkaskoversicherten Fahrzeugs. 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