{"id":9785,"date":"2017-11-15T06:00:00","date_gmt":"2017-11-15T04:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www2.etl.de\/aktuelles\/pruefbericht-rechtfertigt-kuerzung-nicht-zum-urteil-des-ag-hamburg-blankenese-vom-21072017-az-532-c-11017\/"},"modified":"2022-08-29T09:17:59","modified_gmt":"2022-08-29T09:17:59","slug":"pruefbericht-rechtfertigt-kuerzung-nicht-zum-urteil-des-ag-hamburg-blankenese-vom-21072017-az-532-c-11017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/?p=9785","title":{"rendered":"<q>Pr\u00fcfbericht<\/q> rechtfertigt K\u00fcrzung nicht"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align:justify\">Nach einem Verkehrsunfall lautet der Grundsatz, dass dem Gesch\u00e4digten der entstandene Schaden zu ersetzen ist. Allerdings sind Versicherer in ihrer Kreativit\u00e4t &#8211; weshalb bestimmte Positionen einer Reparaturrechnung nicht zu erstatten seien &#8211; kaum zu \u00fcbertreffen. H\u00e4ufig werden sogenannte <q>Pr\u00fcfberichte<\/q> vorgeschoben, um den Anschein von Seriosit\u00e4t bei den Ablehnungsgr\u00fcnden zu wecken. Das Amtsgericht (AG) Hamburg-Blankenese lie\u00df sich in seinem Urteil vom 21.07.2017 (Az.: 532 C 110\/17) davon jedoch unbeeindruckt und entschied zu Gunsten des Gesch\u00e4digten.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify\"><strong>Was war passiert?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align:justify\">Der Unfallgegner missachtete als wartepflichtiger Linksabbieger die Vorfahrt des Gesch\u00e4digten, so dass es zum Unfall kam. Die Haftung fiel somit vollst\u00e4ndig zu Lasten des Unfallgegners aus. Der Gesch\u00e4digte holte f\u00fcr seinen Fahrzeugschaden ein Sachverst\u00e4ndigengutachten ein und lie\u00df das Fahrzeug anschlie\u00dfend nach den Vorgaben im Gutachten reparieren.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify\">Nichtsdestotrotz verweigerte der Versicherer des Sch\u00e4digers den vollst\u00e4ndigen Ausgleich des Schadens. Unter Bezugnahme auf einen von ihm eingeholten Pr\u00fcfbericht erstattete er Entsorgungskosten in H\u00f6he von 12,00 Euro netto sowie Lackvorbereitungskosten in H\u00f6he von 549,12 Euro netto nicht &#8211; bei letzteren vor allem mit dem Argument, dass diese in der Reparaturrechnung doppelt abgerechnet seien. Und so blieb dem Gesch\u00e4digten nur noch der Gang vor Gericht.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify\"><strong>Die Entscheidung des Gerichts<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align:justify\">Das Gericht sprach dem Gesch\u00e4digten den vollst\u00e4ndigen Schadensersatz zu. Es bezog sich in seiner Begr\u00fcndung auf den vom Bundesgerichtshof entwickelten subjektiven Schadensbegriff, wonach <q><em>der Gesch\u00e4digte (\u0085) den Geldbetrag ersetzt verlangen kann, der zur Herstellung des besch\u00e4digten Fahrzeuges erforderlich ist<\/em><\/q>. Dabei sei zu ber\u00fccksichtigen, dass er sich &#8211; aufgrund fehlender eigener Sachkunde &#8211; auf das Wissen und die Angaben von Fachleuten wie einem Sachverst\u00e4ndigen oder der Werkstatt verlassen darf.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify\">Nach genauerer \u00dcberpr\u00fcfung des Gutachtens und der Reparaturrechnung auf doppelt abgerechnete Positionen &#8211; wie sie vom Versicherer auf Grundlage des Pr\u00fcfberichts eingewandt wurden &#8211; kam das Gericht zu dem Schluss: <q><em>F\u00fcr die Lackierung sind sowohl im vorab eingeholten Gutachten (\u0085) als auch in der Rechnung (\u0085) lediglich beim Kotfl\u00fcgel V.R. Vorbereitungsarbeiten in Ansatz gebracht (\u0085). Bei keiner der \u00fcbrigen Lackpositionen sind Vorbereitungsarbeiten in Ansatz gebracht worden, so dass der Einwand der Beklagten, die Kosten seien nicht erforderlich, weil hier Arbeiten doppelt ausgef\u00fchrt und abgerechnet w\u00fcrden, ersichtlich nicht zutrifft.<\/em><\/q><\/p>\n<p style=\"text-align:justify\">Hinsichtlich der Entsorgungskosten war die Begr\u00fcndung noch deutlicher: Der Gesch\u00e4digte konnte mit dem Gutachten darlegen, dass die besch\u00e4digten Teile entsorgt werden mussten und mit der Rechnung die Kosten auch tats\u00e4chlich angefallen sind. <q><em>Konkrete Einwendungen hiergegen hat die Beklagte nicht erhoben, sondern die Position schlichtweg gestrichen.<\/em><\/q><\/p>\n<p style=\"text-align:justify\"><strong>Kanzlei Voigt Praxistipp<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align:justify\">Dieses Urteil verdeutlicht einmal mehr die allt\u00e4gliche Praxis der Versicherer: Positionen werden ohne Angabe von Gr\u00fcnden gestrichen oder vermeintliche <q>Pr\u00fcfberichte<\/q> als fadenscheinige Gr\u00fcnde vorgeschoben. F\u00fcr einen technischen Laien, der dann zwischen den St\u00fchlen sitzt und verunsichert wird, wer denn jetzt in der technischen Frage Recht hat, entsteht eine missliche Lage. Vertraut er seiner Werkstatt? Oder doch dem Pr\u00fcfbericht? Oftmals werden vor allem kleinere Positionen gestrichen, in der Hoffnung, dass der Gesch\u00e4digte sich damit abfindet.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify\">Mit einem erfahrenen Rechtsanwalt sind Sie gut beraten. Die Anw\u00e4lte der ETL Kanzlei Voigt kennen die Tricks und Kniffe der Versicherer, die Sie um Ihren berechtigten Anspruch bringen k\u00f6nnten, und k\u00e4mpfen f\u00fcr Ihr Recht. Lassen Sie sich mit einem <q>Pr\u00fcfbericht<\/q> nicht abspeisen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach einem Verkehrsunfall lautet der Grundsatz, dass dem Gesch\u00e4digten der entstandene Schaden zu ersetzen ist. 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