{"id":9995,"date":"2017-06-28T06:00:00","date_gmt":"2017-06-28T04:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www2.etl.de\/aktuelles\/schaerfere-strafen-gegen-ruecksichtslose-rennen-zum-gesetzentwurf-des-bundesrates-zur-strafbarkeit-nicht-genehmigter-kraftfahrzeugrennen-im-strassenverkehr\/"},"modified":"2022-08-29T09:18:18","modified_gmt":"2022-08-29T09:18:18","slug":"schaerfere-strafen-gegen-ruecksichtslose-rennen-zum-gesetzentwurf-des-bundesrates-zur-strafbarkeit-nicht-genehmigter-kraftfahrzeugrennen-im-strassenverkehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/?p=9995","title":{"rendered":"Sch\u00e4rfere Strafen gegen r\u00fccksichtslose Rennen?"},"content":{"rendered":"<p>Die wachsende Anzahl illegaler Autorennen, die &#8211; aufgrund der oftmals t\u00f6dlichen Folgen &#8211; eine wachsende mediale Aufmerksamkeit erfahren, l\u00e4sst auch die Gesetzgebung aufs Tempo dr\u00fccken. Nachdem der <a href=\"http:\/\/dip21.bundestag.de\/dip21\/btd\/18\/101\/1810145.pdf\">Gesetzesentwurf des Bundesrates<\/a> zur Strafbarkeit nicht genehmigter Kraftfahrzeugrennen im Stra\u00dfenverkehr in der Sitzung vom <a href=\"http:\/\/www.bundestag.de\/dokumente\/textarchiv\/2017\/kw26-de-autorennen\/511688#tab-507600\">01.06.2017<\/a> an den Rechtsausschuss verwiesen wurde, soll am <a href=\"http:\/\/www.bundestag.de\/tagesordnung?week=26&amp;year=2017\">morgigen Donnerstag ab 11:15 Uhr<\/a> die Entscheidung mit der <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/parlament\/aufgaben\/gesetzgebung_neu\/gesetzgebung\/weg\/255468\">zweiten und dritten Lesung<\/a> fallen. Doch was genau soll sich \u00e4ndern? Und warum?<\/p>\n<p><strong><q>Wie konnte das passieren, wie konnte das passieren?<\/q><\/strong><\/p>\n<p><q><em>Wie konnte das passieren, wie konnte das passieren?<\/em><\/q> soll der nun <a href=\"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/aktuelle-themen\/anmerkung-zum-urteil-des-landgerichts-berlin-vom-27022017-az-535-ks-816-mord-durch-strassenrennen-das-auto-als-gefaehrliches-werkzeug\">wegen Mordes verurteilte Unfallfahrer<\/a> immer wieder vor sich hin gesprochen haben, nachdem er mit dem Jeep eines 69-J\u00e4hrigen kollidiert war, dessen Fahrer noch am Unfallort verstarb. Mehr PS, h\u00f6here Beschleunigung, gr\u00f6\u00dferes Tempo: Was nach einem Quartett-Kartenspiel klingt, gibt Streetracing-Teilnehmern den Kick. Das Risiko wird dabei v\u00f6llig ausgeblendet.<\/p>\n<p><strong>Die bisherige Bilanz<\/strong><\/p>\n<p>Dass illegale Stra\u00dfenrennen gef\u00e4hrlich sind und vor allem Unbeteiligte die zumeist t\u00f6dlichen Konsequenzen daraus tragen m\u00fcssen, zeigt ein R\u00fcckblick auf Presseberichte der vergangenen Zeit.<\/p>\n<p>Im M\u00e4rz 2015 missachtete ein 19-j\u00e4hriger Ford-Fahrer bei einem spontanen Rennen mit einem gleichaltrigen Opel-Fahrer in K\u00f6ln eine Ampel, die bereits seit sechs Sekunden Rot zeigte. Mit bis zu 115 km\/h kollidierte er mit einem Taxi, das bei Gr\u00fcn in die Kreuzung eingefahren war. Ein Taxi-Fahrgast (49) starb bei dem Unfall, der Taxi-Fahrer und drei weitere Fahrg\u00e4ste wurden leicht verletzt.<\/p>\n<p>Ein 22-j\u00e4hriger BMW-Fahrer lieferte sich mit einem 21-j\u00e4hrigen Mercedes-Fahrer am 14. April 2015 in K\u00f6ln ein spontanes Rennen. Als der BMW-Fahrer mit ca. 77 km\/h in der Kurve gegen Bordstein fuhr und dabei die Kontrolle \u00fcber sein Fahrzeug verlor, schleuderte er \u00fcber die Gegenfahrbahn auf einen Radweg, wo er eine 19-j\u00e4hrige Studentin auf ihrem Fahrrad erfasste. Drei Tage sp\u00e4ter verstarb die junge Frau im Krankenhaus. Beide Fahrer waren zuvor mit etlichen Verkehrsverst\u00f6\u00dfen aufgefallen. Gegen das Urteil des Landgerichts K\u00f6ln hat die Staatsanwaltschaft Revision eingelegt. Ein Urteil des BGH wird f\u00fcr den 06. Juli 2017 erwartet,<\/p>\n<p>In Leverkusen missachtete am 15. April 2015 ein 20-j\u00e4hriger BMW-Fahrer eine rote Ampel. Ein Fu\u00dfg\u00e4nger, der die Stra\u00dfe mit seinem Fahrrad bei Gr\u00fcn \u00fcberqueren wollte, wurde von ihm erfasst und \u00fcberlebte mit schweren Verletzungen. Der am Rennen beteiligte 24-j\u00e4hriger Audi-Fahrer fl\u00fcchtete, konnte jedoch am n\u00e4chsten Tag von der Polizei ermittelt werden.<\/p>\n<p>Ein aus der K\u00f6lner Raser-Szene am Tanzbrunnen bekannter 22-J\u00e4hrger verlor in K\u00f6ln am 29. Mai 2015 kurz vor 23 Uhr die Kontrolle \u00fcber seinen BMW und schleuderte in den Gegenverkehr wo er gegen den Audi eines 23-J\u00e4hrigen prallte. Beide Fahrer und drei Insassen wurden dabei leicht verletzt.<\/p>\n<p>Erneut in K\u00f6ln lieferten sich am 10. Juli 2015, einem Freitagabend, gegen 20:15 Uhr ein 26-J\u00e4hriger mit einem BMW und ein 31-j\u00e4hriger mit einem Mini-Cooper ein illegales Autorennen. Dabei fuhr der 26-J\u00e4hrige mit dem BMW auf einen unbeteiligten PKW auf, hob ab, verlor dadurch die Kontrolle \u00fcber das Fahrzeug und \u00fcberschlug sich mehrmals. Dabei erfasste er einen 26-j\u00e4hrigen Radfahrer, der drei Tage sp\u00e4ter seinen schweren Kopfverletzungen erlag. Das Rennen lieferten sich die Fahrer dabei nicht mit eigenen Fahrzeugen. Sie hatten diese bei dem Car-Sharing-Anbieter Drive Now angemietet.<\/p>\n<p>Im Dezember 2015 lieferten sich zwei Autofahrer ein Rennen in Karlsruhe. Der dabei verursachte Unfall zog sechs Verletzte nach sich, zwei davon schwer.<\/p>\n<p>Im Januar 2016 starb eine 22-j\u00e4hrige Frau auf dem R\u00fccksitz, zwei weitere Mitfahrer wurden schwer verletzt, als der Fahrer bei einem Rennen in Ludwigshafen gegen einen Baum f\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Am 1. Februar 2016 boten sich zwei junge Raser ein Rennen \u00fcber den Kurf\u00fcrstendamm in Berlin. Mit 139 bis 149 km\/h schoss ein 24-J\u00e4hriger mit seinem Mercedes auf eine rote Ampel zu. Sein Kontrahent, ein 26-j\u00e4hriger Audi-Fahrer, fuhr mit <u>mindestens<\/u> 160 bis 170 km\/h in die Kreuzung ein, wo er mit einem Jeep kollidierte, der bei Gr\u00fcn eingefahren war. Der 69-j\u00e4hrige Fahrer des Gel\u00e4ndewagens erlag noch am Unfallort seinen Verletzungen. Der Mercedes-Fahrer wurde vom Audi touchiert und verlor ebenfalls die Kontrolle \u00fcber sein Fahrzeug. Beide Unfallfahrer hatten schon zahlreiche Verkehrsverst\u00f6\u00dfe angesammelt und geh\u00f6rten der Raser-Szene an. In einem Aufsehen erregendem Urteil wurden die beiden wegen Mordes verurteilt.<\/p>\n<p>Am 19. Mai 2016 lieferten sich zwei Fahrer ein Rennen durch die Hagener Innenstadt. Bei einem Ausweichman\u00f6ver verletzte der 46-j\u00e4hriger Skoda-Fahrer bei einem Frontalunfall f\u00fcnf Menschen, darunter zwei Kinder. Ein 6-J\u00e4hriger schwebte lange in Lebensgefahr. Der 33-j\u00e4hriger Audi-Fahrer fl\u00fcchtete. Derzeit wird gegen beide vor dem Landgericht Hagen ein Prozess gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Der j\u00fcngste Vorfall mit t\u00f6dlichem Ausgang ereignete sich am 16. Juni 2016 in der M\u00f6nchengladbacher Innenstadt. Bei einem Autorennen mit riskanten \u00dcberholman\u00f6vern fuhr ein 28-J\u00e4hriger mit seinem schwarzen Seat mit 90 km\/h auf Gegenfahrbahn &#8211; trotz Gegenverkehr. Er erfasste einen 38-j\u00e4hriger Fu\u00dfg\u00e4nger, der \u00fcber die Stra\u00dfe ging. Der Passant erlag seinen Verletzungen. Die Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln nun gegen den Unfallfahrer und die beiden anderen Rennteilnehmer &#8211; einen 22-j\u00e4hrigen VW-Golf-Fahrer und einen 25-j\u00e4hrigen Fahrer eines silbernen Seat &#8211; wegen Mordes.<\/p>\n<p>Und noch eines machen diese Berichte deutlich: Waren illegale Rennen in den 90-er Jahren noch in abgelegenen Industriegebieten, zieht es immer mehr Raser in die Innenstadt, um ein m\u00f6glichst breites Publikum f\u00fcr ihre Rennk\u00fcnste zu haben. Dass sie dabei ihr eigenes Leben und das Unbeteiligter riskieren, blenden sie aus.<\/p>\n<p><strong>Gesetzesentwurf sieht h\u00e4rtere Strafen vor<\/strong><\/p>\n<p>Die Gef\u00e4hrlichkeit von Autorennen liegt <q><em>darin, dass sich die Teilnehmer zu \u00fcbertrumpfen versuchen;<\/em> <em>durch diesen gruppendynamischen Effekt werden nicht nur eigne Verkehrsverst\u00f6\u00dfe, sondern auch solche von Konkurrenten geradezu heraufbeschworen, die sich &#8211; physisch oder psychisch &#8211; gehindert sehen, zu verlangsamen und zu einer ordnungsgem\u00e4\u00dfen Fahrweise zur\u00fcckzukehren.<\/em><\/q> (LG K\u00f6ln vom 14.06.2016 &#8211; Az.: 117 KLs 19\/15).<\/p>\n<p>Der Bundesrat hat sich dieses Problems angenommen. <q><em>Die bestehenden Sanktionsm\u00f6glichkeiten haben sich in der Praxis als unzureichend erwiesen<\/em><\/q>, hei\u00dft es in der Vorlage. Die Wertung als Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbu\u00dfe von bis zu 400 Euro und das einmonatige Fahrverbot &#8211; ohne die M\u00f6glichkeit zur l\u00e4ngerfristigen Entziehung der Fahrerlaubnis &#8211; seien dem <q><em>erhebliche[n] Gef\u00e4hrdungspotential f\u00fcr h\u00f6chstwertige Rechtsg\u00fcter wie Leib und Leben nicht ad\u00e4quat.<\/em><\/q> Das soll sich \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Mit dem Gesetzesentwurf soll die Veranstaltung von und die Teilnahme an verbotenen Kraftfahrzeugrennen einen neuen Straftatbestand erf\u00fcllen. Der neue \u00a7 315d StGB soll f\u00fcr das Veranstalten oder Teilnehmen eine Haftstrafe bis zu zwei Jahren oder eine Gelstrafe vorsehen. Werden dadurch Leib oder Leben oder Sachen von bedeutendem Wert gef\u00e4hrdet, kann die Freiheitsstrafe auf bis zu f\u00fcnf Jahre ansteigen; bei fahrl\u00e4ssiger Gef\u00e4hrdung maximal drei Jahre.<\/p>\n<p>Um der besonderen Gefahr von Stra\u00dfenrennen gerecht zu werden, ist eine Haftstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren vorgesehen, wenn dadurch ein Mensch get\u00f6tet oder schwer verletzt wird oder bereits mehrere Menschen zu Schaden kommen.<\/p>\n<p>Gleichzeitig soll der Veranstalter und Teilnehmer durch entsprechende Erg\u00e4nzung des \u00a7 69 Abs. 2 StGB als ungeeignet zum F\u00fchren von Kraftfahrzeugen anzusehen sein, wodurch regelm\u00e4\u00dfig die Entziehung der Fahrerlaubnis folgen d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>Eine sp\u00fcrbare Ma\u00dfnahme soll die Einf\u00fchrung des \u00a7 315f StGB mit sich bringen, wonach die Tatfahrzeuge eingezogen werden d\u00fcrfen. In wie fern dies jedoch der Entwicklung gerecht wird, dass zunehmend Miet- oder Leasingfahrzeuge genutzt werden, bleibt zu kl\u00e4ren.<\/p>\n<p><q><em>Um die abschreckende Wirkung zu erh\u00f6hen, versch\u00e4rfen wir die Strafen<\/em><\/q>, vertritt Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt die Auffassung des Verkehrsministeriums. Und auch die 88. Justizministerkonferenz hat <a href=\"http:\/\/www1.wdr.de\/nachrichten\/ruhrgebiet\/raserprozess-hagen-beginnt-100.htmlhttps:\/jm.rlp.de\/fileadmin\/mjv\/Jumiko\/Fruehjahrskonferenz_neu\/II.14._Strafbarkeit_verbotener_Kraftfahrzeugrennen.pdf\">beschlossen<\/a>, dass ein h\u00e4rteres Vorgehen gegen illegale Autorennen erforderlich ist. Sie halten es daher <q><em>f\u00fcr\u00a0 erforderlich, die\u00a0 Veranstaltung von illegalen Autorennen und die Teilnahme an illegalen Autorennen als Straftatbestand auszugestalten.<\/em><\/q><\/p>\n<p><strong>\u00c4nderungsantr\u00e4ge wollen weiter gehen<\/strong><\/p>\n<p>Oftmals wird hinterher bestritten an einem Rennen beteiligt, sondern <q><em>einfach nur so<\/em><\/q> schneller gewesen zu sein, wie im 2. K\u00f6lner <q>Raser-Fall<\/q> (LG K\u00f6ln, Urteil vom 14.04.2016 &#8211; Az.: 117 KLs 19\/15), bei dem eine unbeteiligte 19-j\u00e4hrige Radfahrerin ums Leben kam und der derzeit dem BGH vorliegt (Az.: 4 StR 415\/16). Die Staatsanwaltschaft hatte aufgrund der zur Bew\u00e4hrung ausgesetzten Strafen Revision eingelegt. Das Urteil soll am 06.07.2017 verk\u00fcndet werden.<\/p>\n<p><q><em>Wer durch massiv \u00fcberh\u00f6hte Geschwindigkeit und R\u00fccksichtslose Fahrweise schwere Unf\u00e4lle verursacht oder in Kauf nimmt, hat auf der Stra\u00dfe nichts verloren<\/em><\/q> ist die Auffassung der Faktion B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen. Daher fordern sie in Ihrem Antrag die Streichung die Einschr\u00e4nkungen in \u00a7 315c Abs. 1 Nr. 2 StGB <q><em>an un\u00fcbersichtlichen Stellen, an Stra\u00dfenkreuzungen, Stra\u00dfeneinm\u00fcndungen oder Bahn\u00fcberg\u00e4ngen<\/em><\/q>, womit jeder strafbar handeln w\u00fcrde, der im Stra\u00dfenverkehr grob verkehrswidrig und r\u00fccksichtslos zu schnell f\u00e4hrt. Auch fordern sie eine Strafsch\u00e4rfung f\u00fcr s\u00e4mtliche Tatbest\u00e4nde des \u00a7 315c StGB, wenn dadurch ein Mensch get\u00f6tet oder schwer verletzt wird oder bereits mehrere Menschen zu Schaden kommen.<\/p>\n<p>Der \u00c4nderungsantrag der Fraktionen CDU\/CSU und SPD will den Entwurf des Bundesrates erg\u00e4nzt wissen. Danach soll neben der Strafbarkeit der Rennen auch derjenige strafbar sein, der <q><em>als Kraftfahrzeugf\u00fchrer die zul\u00e4ssige H\u00f6chstgeschwindigkeit erheblich, grob verkehrswidrig und r\u00fccksichtslos \u00fcberschreitet um eine besonders hohe Geschwindigkeit zu erreichen<\/em><\/q>. Daneben soll auch der Versuch des Rennens und des verkehrswidrigen Fahrens mit besonders hoher Geschwindigkeit strafbar sein.<\/p>\n<p><strong>Die Stellungnahmen der Experten<\/strong><\/p>\n<p>Die zu dem Gesetzesentwurf angeh\u00f6rten Experten waren sich nur teilweise einig. Der K\u00f6lner Staatsanwalt sah in der geplanten Gesetzes\u00e4nderung zusammen mit dem Vorschlag der gro\u00dfen Koalition die M\u00f6glichkeit eine Gesetzesl\u00fccke zu schlie\u00dfen, zumal mit dem Erg\u00e4nzungsvorschlag auch Einzelraser erfasst w\u00fcrden. Dies w\u00fcrde der Schwierigkeit der Praxis gerecht werden, ein Rennen &#8211; das gewollte <q><em>Kr\u00e4ftemessen mit Wettbewerbscharakter<\/em><\/q> &#8211; nachzuweisen.<\/p>\n<p>Dr. Ulrich Franke, Richter am Bundesgerichtshof, hatte keine Bedenken zum Bundesrats-Entwurf. Andersdagegen bei den \u00c4nderungsantr\u00e4gen. Die Strafbarkeit wegen einer erheblichen \u00dcberschreitung der zul\u00e4ssigen H\u00f6chstgeschwindigkeit ist nach einer Ansicht zu unbestimmt. <q><em>Welche eigenst\u00e4ndige Bedeutung die beiden Tatbestandsmerkmale \u0082grob verkehrswidrig\u0091 und \u0082r\u00fccksichtslos\u0091 haben soll, ist nicht erkennbar.<\/em><\/q><\/p>\n<p>Polizeihauptkommissar der Polizei K\u00f6ln Rainer Fuchs, Leiter einer SoKo auf dem Gebiet der Raser, sah der Schlie\u00dfung einer Regelungsl\u00fccke entgegen, insbesondere &#8211; auch unter dem Gesichtspunkt der Einzelraser &#8211; durch die Einziehung der Fahrzeuge eine Handhabe zu erhalten: <q><em>Nimmt man denen das Spielzeug weg, dann h\u00f6rt es auf.<\/em><\/q><\/p>\n<p>Auch Dr. Scarlett Jansen, Kriminologin der Universit\u00e4t Bonn, teilte die Auffassung von Dr. Franke. <q><em>Der Gesetzesentwurf erm\u00f6glicht eine weitgehende, aber angemessene Kriminalisierung nicht genehmigter Kraftfahrzeugrennen.<\/em><\/q> Ebenso teilte sie seine Bedenken: <q><em>Insbesondere die Streichung der Einschr\u00e4nkung in \u00a7 315c Abs. 1 Nr. 2 lit. d) StGB ist nicht geeignet, Raserei wirksam zu bek\u00e4mpfen<\/em><\/q>.<\/p>\n<p>Prof. Dr. Henning Ernst M\u00fcller, Strafrechtler an er Universit\u00e4t Regensburg vertrat die Auffassung, dass es schwieriger sei die Strafbarkeit an dem subjektiv gepr\u00e4gten Begriff Rennen anzukn\u00fcpfen und schlug daher den objektiveren Begriff Rasen vor. <q><em>Vorzugsweise sollte eine exaktere gesetzliche Regelung getroffen werden, ab wann die Missachtung der zul\u00e4ssigen H\u00f6chstgeschwindigkeit strafrechtlich relevant wird, etwa indem das strafbare Ma\u00df der \u00dcberschreitung relativ oder absolut (in km\/h) ausgedr\u00fcckt wird.<\/em><\/q><\/p>\n<p>Rechtsanw\u00e4ltin G\u00fcl Pinar vom DAV sah die geplante \u00c4nderung kritisch. Nach ihrer Auffassung w\u00fcrde damit nichts grundlegend neu geregelt, was nicht ohnehin schon strafbewehrt sei. Zudem bem\u00e4ngelte sie die fehlende Regelung zur Nebenklage: <q><em>Bei der Neuregelung sollte auch das Opfer diese Vorg\u00e4nge mehr in den Fokus gestellt werden.<\/em><\/q><\/p>\n<p>Prof. Dr. Frank Schuster, Strafrechtler der Universit\u00e4t W\u00fcrzburg, begr\u00fc\u00dfte, dass Kraftfahrzeugrennen sch\u00e4rfer sanktioniert werden, schlie\u00dflich w\u00e4ren <q><em>beim Autorennen mehrere Fahrzeuge (mindestens zwei) beteiligt (\u0085) und in aller Regel h\u00f6here Geschwindigkeiten als bei einer klassischen Trunkenheitsfahr erreicht<\/em><\/q>.<\/p>\n<p><strong>Ist Pr\u00e4vention m\u00f6glich?<\/strong><\/p>\n<p><q>Das gro\u00dfe Problem der Raserei ist die Sucht nach dem Adrenalin, der Aufmerksamkeit, der Anerkennung<\/q>, meint <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=CZqF5d71_Jo&amp;list=LLweE3LV4_TqLQ-4T9vaCa_Q\">Nico Klassen<\/a>, der in den 90ern selbst an illegalen Rennen teilnahm &#8211; als diese noch nachts in unbelebten Industriegebieten stattfanden. Der Tod eines Freundes bei einem solchen Rennen hat sein Leben ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Dass Rasen s\u00fcchtig machen kann, vertritt auch Dr. <a href=\"https:\/\/www.zpid.de\/psychauthors\/index.php?wahl=forschung&amp;uwahl=psychauthors&amp;uuwahl=p00233BS\">Bernhard Schlag<\/a>, Professor f\u00fcr Verkehrspsychologie an der TU Dresden. <q>Den Raser treibt die <a href=\"https:\/\/www.dvr.de\/download\/schriftenreihe_verkehrssicherheit_10.pdf\">Lust am Risiko<\/a>. Durch schnelles Fahren sucht er Anerkennung, Abenteuer und Selbstbest\u00e4tigung.<\/q> Im Rahmen dessen ist der Raser auf der Suche nach Neuem. <q><a href=\"https:\/\/www.zpid.de\/psychologie\/PSYNDEX.php?search=psychauthors&amp;id=0165317\">Sensation Seeking<\/a> als eine generalisierte Verhaltensdisposition ist gekennzeichnet als das Bed\u00fcrfnis nach abwechslungsreichen, neuen und komplexen Eindr\u00fccken und der zugeh\u00f6rigen Bereitschaft, um solcher Eindr\u00fccke willen physische und soziale Risiken in Kauf zu nehmen. (\u0085) Bei der Untersuchung der Frage nach dem Zusammenhang zwischen Sensation Seeking und Fahrstil berichteten Personen mit hohen Sensation-Seeking-Werten einen riskanteren Fahrstil und zeigten im Fahrsimulator h\u00f6here Beschleunigungswerte.<\/q><\/p>\n<p><strong>Rennstrecken als <q>Methadon<\/q>-Pendant?<\/strong><\/p>\n<p>Doch wie kann illegalen Rennen vorgebeugt werden? Hilft eine st\u00e4rkere Polizeipr\u00e4senz? <q>Bevor die Polizei ankommt, wurden sie l\u00e4ngst gesehen. Das wird per WhatsApp-Gruppe weitergegeben und das Rennen wird abgesagt<\/q>, sagt Klassen als Kenner der Szene. <q>Was bleibt dem Ordnungsh\u00fcter? Der Ordnungsh\u00fcter kann nur einen Platzverweis aussprechen.<\/q> Eine Strafsch\u00e4rfung lehnt Klassen nicht ab, jedoch gibt er zu bedenken, dass die abschreckende Wirkung f\u00fcr sich nicht gen\u00fcgt. <q>H\u00f6here Strafen alleine funktionieren nicht. Wie viele Leute lassen sich von 60 Euro und einem Punkt abhalten auf ihr Handy zu gucken? Denn sie meinen, sie sind unbeobachtet. Das Einzige, was in Verbindung mit h\u00f6heren Strafen hilft: Man muss eine Alternative schaffen.<\/q><\/p>\n<p>Nico Klassen verfolgt daher einen anderen Ansatz: Er veranstaltet legale Rennen f\u00fcr Geschwindigkeits-S\u00fcchtige, um sie von der Stra\u00dfe zu holen. Daf\u00fcr w\u00fcnscht er sich Unterst\u00fctzung vom Staat und beruft sich dabei auf eine L\u00f6sung, die der Scheich von Dubai angewendet hat, die auch beispielsweise in Kansas City und Ontario, Kalifornien funktionierte und nach beider &#8211; Klassens und des Scheiches &#8211; Auffassung auf der ganzen Welt funktioniert: Nachdem sch\u00e4rfere Sanktionen wirkungslos blieben, er\u00f6ffnete der Scheich eine Rennstrecke, um gegen illegale Rennen in seinem Emirat vorzugehen. <q>Das hat die Szene geteilt. Die Strecke wird nicht von allen genutzt,<\/q> berichtet Klassen. Aber: <q>Auf so einem Gel\u00e4nde bekommt man die Aufmerksamkeit der Zuschauer, Anerkennung, wenn man gute Zeiten gefahren ist und es besteht eine Vergleichbarkeit.<\/q> Und der illegale Teil? <q>Ein ganz wesentlicher Bestandteil ihrer Sucht fehlt und zwar ist das die Sucht der Anerkennung. Dieser Teil erh\u00e4lt jetzt keine Anerkennung von denen, die das jetzt negativ sehen.<\/q> Legale Autorennen als <q>Methadonprogramm<\/q> f\u00fcr Adrenalin-S\u00fcchtige.<\/p>\n<p><strong>Autovermieter in der Plicht?<\/strong><\/p>\n<p>Der f\u00fcr einen 26-j\u00e4hrigen Radfahrer t\u00f6dliche Raser-Unfall im Juli 2015 in K\u00f6ln geschah mit Mietfahrzeugen. <q>Der eigene Wagen wird lieber gehegt und gepflegt<\/q> meint Martin Lotz von der Polizei K\u00f6ln.<\/p>\n<p>Ob eine Anhebung des Einstiegsalters von derzeit 21 Jahren anzuheben zur L\u00f6sung des Problems beitr\u00e4gt, w\u00e4re in Betracht zu ziehen. <q>Das m\u00fcsste aber wohl\u00fcberlegt sein und sollte auch alle Carsharing-Anbieter betreffen<\/q>, betonte eine Sprecherin von Drive Now. \u00c4hnliches w\u00e4re in der Konsequent auch beim Fahrzeugleasing zu \u00fcberdenken. Schlie\u00dflich hatte der wegen Mordes verurteilte Mercedes-Fahrer hatte sein Fahrzeug f\u00fcr 651,54 Euro monatlicher Leasingrate inklusive Versicherung geleast.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><strong>Weitere Beitr\u00e4ge zu dem Thema<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.bussgeldprofi.de\/magazin\/magazin-detail\/interview-mit-einem-rechtsexperten-haertere-strafen-fuer-raser-koennen-abschrecken.html\">Interview mit einem Rechtsexperten &#8220;H\u00e4rtere Strafen f\u00fcr Raser k\u00f6nnen abschrecken!&#8221;<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.bussgeldprofi.de\/magazin\/magazin-detail\/raser-und-illegale-autorennen-mit-welchen-strafen-muessen-raser-derzeit-rechnen-teil-1.html\">Strafe 2016: Mit welchen Strafen m\u00fcssen Raser derzeit rechnen? Teil 1<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.bussgeldprofi.de\/magazin\/magazin-detail\/raser-und-illegale-autorennen-justitia-und-ihre-entscheidungen-teil-2.html\">Raser und illegale Autorennen: Justitia und ihre Entscheidungen, Teil 2<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.bussgeldprofi.de\/magazin\/magazin-detail\/raser-und-illegale-autorennen-zukunft-2017-welche-strafen-koennte-es-bald-geben-teil-3.html\">Raser und illegale Autorennen: Zukunft 2017 &#8211; Welche Strafen k\u00f6nnte es bald geben? Teil 3<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die wachsende Anzahl illegaler Autorennen, die &#8211; aufgrund der oftmals t\u00f6dlichen Folgen &#8211; eine wachsende mediale Aufmerksamkeit erfahren, l\u00e4sst auch die Gesetzgebung aufs Tempo dr\u00fccken. Nachdem der Gesetzesentwurf des Bundesrates zur Strafbarkeit nicht genehmigter Kraftfahrzeugrennen im Stra\u00dfenverkehr in der Sitzung vom 01.06.2017 an den Rechtsausschuss verwiesen wurde, soll am morgigen Donnerstag ab 11:15 Uhr die [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_seopress_robots_primary_cat":"","_seopress_titles_title":"","_seopress_titles_desc":"","_seopress_robots_index":"","_relevanssi_hide_post":"","_relevanssi_hide_content":"","_relevanssi_pin_for_all":"","_relevanssi_pin_keywords":"","_relevanssi_unpin_keywords":"","_relevanssi_related_keywords":"","_relevanssi_related_include_ids":"","_relevanssi_related_exclude_ids":"","_relevanssi_related_no_append":"","_relevanssi_related_not_related":"","_relevanssi_related_posts":"","_relevanssi_noindex_reason":"","_uag_custom_page_level_css":"","footnotes":""},"categories":[26],"tags":[355],"class_list":["post-9995","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","tag-gesetzesvorhaben"],"acf":[],"uagb_featured_image_src":{"full":false,"thumbnail":false,"medium":false,"medium_large":false,"large":false,"1536x1536":false,"2048x2048":false},"uagb_author_info":{"display_name":"fx-admin","author_link":"https:\/\/voigt-alte-seite.dgwip.de\/?author=1"},"uagb_comment_info":0,"uagb_excerpt":"Die wachsende Anzahl illegaler Autorennen, die &#8211; aufgrund der oftmals t\u00f6dlichen Folgen &#8211; eine wachsende mediale Aufmerksamkeit erfahren, l\u00e4sst auch die Gesetzgebung aufs Tempo dr\u00fccken. 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